Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Seelsorge
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeindemitgliedern ab, hatten vielmehr wie diese ihren bürgerlichen Berufe Sie waren Grobschmiede, Lohgerber, Wäscher, Schuhmacher, Weinprober, Schiffer, Schneider,' Brauer, Schmiede, Zimmerleute, Baumeister u. dergl. Und sie beteiligten sich ebenso wie alle anderen Gemeindemitglieder an der Ausübung der Liebeswerke. Das bloße Studium, die ausschließliche Beschäftigung mit der Lehre genügte ihnen nicht „das bloße Studium ohne Werke der Menschenliebe genügt nicht; ja wer sich bloß.mit der Lehre beschäftigt, gleicht jemandem, der keinen Gott hat." x) Mit dem Fortschreiten des Gemeindelebens, mit der Entwicklung der VerhältlMfe der Juden erweitert sich auch die Stellung des Rabmners. Ueberall ist er heute nicht nur der Lehrer, sondern auch der. geistige Führer in der Gemeinde. Ob er hier und da in Deutschland bei den veränderten Gemeindeorganisationen ähnlich dem christlichen Geistlichen ein staatliches Amt bekleidet, oder ob er dieses Amt, dessen er nicht bedarf, wenn er sonst eine kraftvolle Persönlichkeit ist, nicht besitzt — auf einem Gebiete ist sein Einfluß überall gewachsen, auf dem Gebiete der Seelsorge. „Eine andere Verrichtung des modernen Rabbiners, die der geistlichen Tätigkeit des christlichen Geistlichen gleichkommt, ist das Spenden von Trost und Mitgefühl an Personen und Familien bei Todesfällen oder Unglück in Formen, die vielleicht feierlicher und erhebendersind als die früher gebräuchlichen. Hier ... hat der moderne Rabbiner die Möglichkeit, die Segnungen der Religion zu jedem Menschen zu bringen, der Bedürfnis nach geistiger Erholung hat . . . An Liebeswerk und Fürsorge hat er beträchtlichen Anteil."^) Nicht die gottesdienstlichen Handlungen allein bringen ihn seinen Gemeindemitgliedern näher. Einer seiner christlichen Kollegen drückt das treffend mit den Worten aus: „Es ist eine sonderbare kirchliche Einbildung, daß wir. PArer meinen, wir beherrschten und verständen das Wilh. Bacher. Die Agada der babylonischen Amoräer. Straßburg 1878 pg.57 (Rab's Schüler Huna». ä) Köhler in Jew. Encyclop. X. pg. 297.