Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Seelsorge
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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' — 54 — merk." Und in der Tat ist hierin auch Wesen und Bedeutung der christlichen Seelsorge zum Ausdruck gelangt. Einer ihrer gelehrtesten Bearbeiters erklärt die Seelsorge folgendermaßen: „Der bloße Wortbegriff setzt schon die Selbständigkeit der Seele als Trägerin eines besonderen geistigen Lebens" voraus. Er „setzt weiter voraus, daßl für die Seele als solche gesorgt werden müsse," „Von einer Sorge der Seele kann im eigentlichen Sinne des Wortes nur gesprochen werden, wo die Seele als diefür ihr Geschick verantwortliche Trägerin der Persönlichkeit gefaßt wird." „Hieraus ergibt sich, daß von Seelsorge im strengen Sinne des Wortes nur gesprochen werden kann und tatsächlich nur gesprochen wird auf dem Boden -er christlichen Weltanschauung." Und als den Gegenstand der Seelsorge bezeichnet dieser Schriftsteller: „Der Gegenstand der seelsorgerischen Aufsicht, die nicht von dem Interesse der Sittenpolizei, sondern von' demjenigen der treuen Sorge für das ewige Heil der Seele geleitet wird,, bildet in letzter Beziehung das Glaubensleben der Gemeindegenofsen, ihre Stellung zu dem Herrn und seinem Reich oder da diese als ein wesentlich inneres sich dem Auge entzieht, die Stellung der Gemeindegenossen zu den Quellen des Heils, zur Kirche und Gottesdienst, Wort Gottes und Sakramenten, zu den kirchlichen Anordnungen und Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, die Glaubenslehre zu nähren und zu befestigen."^) Noch schärfer faßt all dies Harnack^) in die Worte zusammen: „Außer dem Kultus, der ja im weiteren Sinne auch Seelsorge ist, gibt es eine Tätigkeit des Pfarramtes, die da gerichtet ist auf Erhaltung und Förderung des vorhandenen oder auf Herstellung des schwindenden christlichen Lebens, d. h. auf Stärkung des relativ Gesunden, auf Heilung des Kranken, auf Hebung des Sinkenden in der Gemeinde im Ganzen oder in ihren einzelnen Gliedern." Es „gilt mit der Geduld und *) Köstlin. Die Lehre von der Seelsorge. Berlin 1895, pg. 1/2» 2) Köstlin pg. 227. 3) Th. Harnack. Praktische Theologie. Erlangen 1879, pg. 291.298*