Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Der Ölberg im jüdischen Ritus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 14)
- Language
- German
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' — 51 — Wie lange mögen.; jene feierlichen Versammlungen <mt Olberge. aufrecht erhalten worden sein? Schwerlich nber die Kreuzzfige hinaus, in welcher Zeit doch das christliche Regime jedwede öffentliche Betätigung des Judentums unterdrückt haben würde, abgesehen davon, Laß um diese Zeit Juden in Jerusalem gar nicht lebten und ein Zuströmen fremder Juden infolge der Kriegs- -ereignisse nicht gut möglich war. Jener Brief des R. Salomo aus Jerusalem datiert zwarvom Jahre 1188, aber gerade damals, genauer im Jahre vorher, 1187, wurde ja die Macht der Christen durch Sultan Saladin in der Schlacht bei Hittin für lange Zeit gebrochen, und Las Land ist wieder muslimisch geworden. Es scheint nun, daß unter muslimischer Herrschaft die alten Sitten automatisch wieder aufleblen. Diese Sitten werden schon lange nicht geübt; wann und warum sie wegfielen, wissen wir nicht. Noch ist vom Olberge als dem Begräbnisplatze der Juden zu sprechen. Hier wäre mehr das Tal Josafat zu nennen, das, nach einer Prophetie Joels (4, 2), Ler Schauplatz des jüngsten Gerichts sein wird, demnach auch der Ort, wo die Verstorbenen ihren Lohn oder ihre Strafe erhalten werden. Das Tal Josafat ist der Ort der Auferstehung. In der Bibel freilich ist es gar nicht -ersichtlich, daß dieses Tal bei und nächst Jerusalem liegt, -aber der fromme Glaube identifizierte es mit dem Tale Kidron, hielt es also für das zwischen dem Tempel- und Olberge sich hinziehende Tal. Darum die Wahl Dieses Ortes als bevorzugter Begräbnisplatz. Hier begraben zu werden, ist die Sehnsucht aller Frommen, und in den Jahrhunderten, da dies aufgekommen, bedeckte sich das südöstliche Gelände des Olberges, der hier .ziemlich platt ist, mit unzähligen jüdischen Gräbern. S. Munk in seinem „Palestine" (S. 53) teilt von dem -französischen Dichter Chateaubriand eine schöne Schilderung Dieser Gräberstimmung mit. ' Natürlich hat auch diese Sitte ihre Geschichte; sie ist noch nicht geschrieben. Soviel wissen wir, daß schon in talmudischer Zeit, genauer angegeben etwa vom 2. Jahr-