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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 46

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Der Ölberg im jüdischen Ritus
Date
1919-01-01
Page
Seite 46 (sequence 9)
Language
German
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46 möchten. Was wir im nachstehenden darüber mitteilen, ist zwar sehr charakteristisch, erweckt aber wenig Vertrauen, weil gewisse Begleitumstände allzu phantastisch erscheinen. Die Schilderung befindet sich in dem bekannten „Buch der Frommen" (H 630) und, um für unser Urteil Leu richtigen Maßstab zu erhalten, setzen wir die ganze Erzählung hierher. Zur Zeit, als die Schulhäupter Rab Hai und Rab Ebjathar Kohen Zedek zu Jerusalem weilten, wurde ihnen ein Mörder vorgeführt, wie aus dem Verfolge hervorgeht, zum Zweck der Buße und Reue. Die beiden Rabbis befahlen, ihn mit den vorgeschriebenen Geißelhieben zu traktieren, u. z. auf dem Olberge, was auch geschah. Er wurde so geschlagen, daß ihn das Blut überströmte, dennoch rief er: Schlaget mich ohne Erbarmen, daß ich nicht vor's Gericht geladen werde vor Gott! Richtig schlug man ihn, bis ihm fast das Leben entschwand; da befahl er — d. i. einer der Genannten, wahrscheinlich R. Hai — ihm Ruhe zu gönnen, und man ließ ihm etwa drei Wochen verstreichen. Dann steckte man ihn in Sand, so daß darin bloß ein kleines Loch gelassen wurde, und man marterte und schlug ihn, so daß er zwischen Tod und Leben schwebte, und das tat man ihm dreimal. Da der Mann all das mit Liebe aufnahm, ward ihm gewiß verziehen, und da er es noch immer nicht glauben wollte, so beruhigte man ihn feierlich, daß ihm Gott verziehen hätte. — Hier sehen wir das jüdische Tribunal auch die peinliche Gerichtsbarkeit vollziehen, was übrigens im Mittelalter gar nicht unerhört ist, und die Stätte ihres Gerichtsverfahrens ist wiederum der Olberg. Fortsetzungsweise und gleichsam als Erklärung dafür, wieso der babylonische Gaon Hai nach Jerusalem komme und daselbst richterliche Handlungen vollführe — was dann natürlich auch für seinen Kollegen gilt — heißt es in derselben Quelle: Rab Hai Pflegte alljährlich von Babylon nach Jerusalem zu pilgern und verbrachte daselbst das Sukkothfest, denn sie pflegten am Hosch'ana Rabba (d. i. am 7. Tage dieses Festes) siebenmal den

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