Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Der Ölberg im jüdischen Ritus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 4)
- Language
- German
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41 „roten" Kuh (vgl. IV. Buch Mosis c. 19) knüpften. Aus der Asche der verbrannten roten Kuh wurde bekanntlich jenes Sühnewasser hergestellt, das nötig war, wenn unrein gewordene Personen oder Sachen durch Besprengen wieder den Zustand der Reinheit erlangen sollten. Die Verbrennung der Kuh — und das ist das Neue, was wir von den RabbmeN erfahren — geschah nur auf dem Olberge. Den Anlaß zur Wahl dieses Ortes erfahren wir nicht. Wahrscheinlich aber ist es der große Apparat, der zum Brande der Kuh nötig war, der von den Opferern die Wahl eines freieren Ortes heischte, als ihn der stark bebaute Tempelberg bot. Denn es wurde ein gar großer, kunstvoller Scheiterhaufen erbaut, der geradezu „Turm" genannt wird und aus edlem Holze verschiedener Gattung geschichtet war. Immerhin aber wurde die rote Kuh nicht etwa von einer beliebigen Seite aus auf den Olberg getrieben, sondern, entsprechend dem Opfercharakter der ganzen Handlung, vom Tempelberge aus sozusagen in feierlicher Prozession dorthin geführt. Zu diesem Zwecke wurde das tiefe Tal, das den Ölberg vom Tempelberg scheidet, durch eine von Fall zu Fall erbaute Brücke, die über auf Säulenruhenden Gewölben lag, überspannt, und auf dieser die rote Kuh dahin überführt. Obzwar es nicht gesagt ist, mag man darin doch den Gedanken erkennen, daß das kostbare Opfertier — kostbar im wörtlichen Sinne, denn eine allen Vorschriften genügende „rote" Kuh kam dem Tempelschatz sehr teuer zu stehen — nicht auf dem beschwerlichen Wege von unten aus auf die Brandstätte auf der Bergeshöhe geführt werden sollte (wie leicht hätte es leiblich zu Schaden kommen oder ermüdet und abgespannt ans Ziel kommen können!), sondern auf" einer bequemen Brücke, auf der der Weg gewiß in wenigen Minuten zu machen war. Denselben Weg nahm auch der amtierende Priester und alle seine Assistenten. Vorher hatten sich schon „die Ältesten Israels" zu Fuße (soll wohl heißen: auf dem gewöhnlichen, beschwerlichen Wege) dahin begeben. Die Versammlung muß also eine recht ansehnliche gewesen sein. Für diese großartige Opferhandlung mußten