Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Der Ölberg im jüdischen Ritus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 3)
- Language
- German
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— 40 — geheiligten Umkreis der Stadt gebunden?) und so ist es selbstverständlich, daß auch der Olberg voll vom Volke besetzt war. Im Falle Jesu sieht man augenscheinlich, daß diejenigen, die in der Stadt selbst keinen „Gastfreund" finden konnten, den heiligen und zur großen Wichtigkeit gelangten Ritus auf dem Olberge vollführten, in einem der kleinen Orte, die am Fuße des Berges lagen,' also außerhalb der Stadt, aber in der nächsten Nähe derselben. Die Stadt dehnt sich auch von selbst aus und erstreckt sich über die angrenzenden Gebiete. So mußte es auch ohne kultuelle Nötigung dazu kommen, daß gewisse geeignete Punkte des Olberges zum Stadtgebiete geschlagen wurden. Nur an der Beschaffenheit der rabbinischen Quellen liegt es, daß' wir nur in der Beziehung des Kultus ausgiebig unterrichtet sind. Speziell für unseren Fall liegt eine von Abba Saul, einem in der Regel gut unterrichteten Manne, vermittelte Tradition vor, wonach es zwei „Einschnitte" (Satteln, Hänge) am Olberge gab, einen unteren und einen oberen, die im Opferwesen einigermaßen zur Stadt gehörten, u. z. war die untere Partie völlig rituell konsekriert worden, so daß sowohl „Genossen" (Männer des Gelehrtenstandes, die es mit den Vorschriften etwas genauer nahmen) als auch Männer des Volkes sich daselbst aufhielteu, ihre „geringeren" Heiligtümer und umsomehr den „zweiten" Zehent daselbst verzehrten; die obere Partie war nicht allen Rechtes konsekriert worden, und so hielten sich zwar „Genoffen" und Männer des Volkes daselbst aus, erlaubten sich jedoch nicht, die vorhin genannten Dinge daselbst zu verzehren (Megillath Taanith 6, vgl. im babyl. Talmud Schebuoth 16 a, während nach der Fassung in Toseftha Sanhedrin 3, 2 jene beiden „Einschnitte" nur im allgemeinen als in Jerusalem gelegen bezeichnet werden). Eine besondere Dignität erlangte der Olberg in den Zeremonien, die sich an die Opferhandlung mit der tz Anders freilich Mischna und Gemara b. Pesachim 85 d.