Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111110-3117659--5930-3117718- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
28 Steine und hat ihnen sehr viel abgelauscht. In den vorliegenden zwei starken Bänden ist ein reicher geschichtlicher und folklorischer Stoff gesammelt, von einem sachkundigen Forscher vorzüglich bearbeitet. Es gehört zu den besten Erscheinungen auf diesem Gebiet und verdient, in anderen alten Gemeinden Nachahmung zu finden. Der neueren Geschichte der Juden in Wien ist eine in fesselnder Darstellung gehaltene Schrift „Die Wiener Juden" von S. Mayer gewidmet. Dieses interessante Buch enthält viel mehr als der Titel besagt. Der Verfasser, ein bekannter gut geschulter Nationalökonom, der noch den beneidenswerten Vorzug besitzt, das Wirtschaftsleben praktisch erfaßt zu haben, hat die Bedeutung der Wiener Juden für das moderne Wirtschaftsleben in Wien mit großer Sachkenntnis geschildert. Bedeutsam und sehr beachtenswert ist der Inhalt der einleitenden Kapitel, in denen die wirtschaftliche Entwicklung der Judenschaft Europas geschichtlich dargestellt ist. Werner Sombart, der die Dinge auf den Kops gestellt hat, findet hier eine gründliche Abfertigung — nach meinem Dafürhalten die wirksamste, die das bekannte Buch Sombarts erfahren hat. Eine größere historische Monographie haben H. T. Ezechiel und G. Lichtenstein geliefert: „History of the Jews of Richmond“. Zur Zeitgeschichte liegt ein eigenartiges, fesselnd geschriebenes Buch vor: „Der Judenhaß und die Juden'' von C. Brunner. Diese Schrift ragt in ihrer Gediegenheit über die große Masse von Publikationen hervor, die sich mit dem modernen Judenhaß beschäftigen. Eingeleitet ist sie mit einem großen Aufsatz „Unter dem Kriege", indem die frappierende Aehnlichkeit — man kann sagen: Identität — des Judenhasses mit dem jetzt grassierenden Deutschenhaß dargestellt ist. Diese Zusammenstellung wirft ein unheimlich grelles Licht auf die Verirrungen nationaler Gehässigkeit, die ihre eigene Psychologie hat und sich da am schlimmsten gebärdet, wo sie „wissenschaftlich" sein will. Von judenmissionarischer Seite sind folgende vier kleinere geschichtlicheSchriften herausgegeben worden: „Das