Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 3)
- Language
- German
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20 zureißen, die wilden Leidenschaften, die jetzt überall in erschreckender Weise entfesselt sind, zurückzudrängen, die Menschen an das Menschliche zu erinnern. Und da bietet das Judentum, das erkannte und verstandene Judentum, eine reiche unerschöpfliche Fülle von Heilkräften, die uns selbst und der ganzen Menschheit zu gute kommen können und sollen. Zurück zum 'Judentum! muß jetzt unsere Losung sein. Aber das Judentum ist ein Wissen, das man nur durch fleißiges Lernen erfassen kann, um es dann zu betätigen. Es ist kein Glauben und noch weniger ein Aberglauben, dem man sich in der Stunde der Niedergeschlagenheit ergibt, um darin untätig zu brüten und das sittliche Heil von einem Wunder zu erwarten. Wenn in unserer Mitte die alte Tugend des Strebens nach Wissen wieder zu Ehren kommt, wird es bald auch nicht mehr an einer geeigneten Literatur fehlen, um so alle Schichten der jüdischen Bevölkerung an dem großen Reichtum, den das Judentum enthält, teilnehmen zu lassen. Wir müssen zu der früheren Gewohnheit zurückkehren, zu lesen und zu lernen. Armut ist keine Schande, hieß es früher im Sprichwort, wenn leider auch nicht mehr im wirklichen Leben. Vielleicht wird dieses Sprichwort jetzt praktisch mehr gelten. Aber geistige Armut ist gewiß nicht rühmenswert und am allerwenigsten dort, wo es sich bei einem Volk um die Kenntnis seiner eigenen Geschichte und seines geistigen Schaffens handelt. Die Kenntnis des Judentums muß allgemein verbreitet werden — zuerst natürlich unter uns Juden selbst. * * «. * . Die wissenschaftliche Literatur hat im letzten Berichtsjahr unter den Schwierigkeiten, die durch den Krieg verursacht wurden, noch mehr gelitten als in. den vorangegangenen Jahren. Vor allem hat sich der Papiermangel sehr empfindlich bemerkbar gemacht. Trotzdem liegt eine Reihe von kleineren und auch größeren Schriften vor, die in Deutschland und in den andern kriegführenden Staaten auf dem in diesen Blättern behandelten Gebiet erschienen sind. Uebersehen wir zuerst die Erscheinungen