Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 54)
- Language
- German
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Un ich Hab derbeigestanden un Maul un Nase aufgesperrt un mich nich riehren gekonnt. „Ach so, der Junge!" hat se da pletzlich gesagt. „Ja, was soll denn das schöne Ding kosten?" un wie ich gar nich Hab antworten gekonnt, hat se de Börse gezogen un gesagt: „Sind Dir vier Taler genug?" Wie ich zu Hause gekommen bin, ohsser weiß ichs. Bis vor de Tür bin ich geflogen, dann awer , in de Stube bin ich gegangen mit e Schritt wie der reiche ' Gemeindevorsteher Löbel, svenn er aufgerufen is in Schul, daß se alle erschreckt hochgeguckt haben als wie „so ne Chuzpe!" Un dort Hab ich de vier Taler aufen Tisch gekloppt un Hab nur so hingesagt: „So! das Hab ich for die alte Hose gelöst" Na, was soll ich viel sagen? De selige Mutter hat geweint vor Szimcheh, oßer weiß ich, ob iwer den vielen Geld oder iwer mir. Brauchen hat se 's nebbich gekonnt. De kleinen Geschwister sin in de Stube rumgetanzt, un wenr?se Ham auf de mediehnegehn gespielt, Ham se immer mit alte Hosen gehandelt. Un der selige Vater hat von den Tag an alles Geschäftliche mit mir besprochen. Warum? Weil er von die Stunde an hat gewußt, was ich for en Kaufmann bin!" Der Vater lehnte sich tiefaufatmend zurück. Als Friede! das Köpfchen noch immer etwas ratlos gesenkt * hielt, weil sie wohl fühlte, diese schicksalsschwere Geschichte ziele auf sie, aber doch den rechten Zusammenhang zwischen einer alten Hose und ihrem schriftstellerischen Talent nicht erkennen konnte, fuhr er fort: „Ich will nur sagen, manchmal is ne Sache gar nich so e Powel, wie mer zuerst denkt. Un se macht sich schließlich doch bezahlt, wenn auch anders, wie mer denkt. Ene alte Hose is ne alte Hose, un de Frau Baronin fand se himmlisch. Schließlich is doch, ene Sache so, wie mer se sieht. Un wer nich immer bloß tachliß redt uy ne alte Hose nich bloß for ne alte Hose betrachtet, is besser dran. — Un seine Umgehung auch". Und dann mit einem tiefen Atemzug: „So viel is mer heite klar". „Väterchen, wir sind ja Kollegen", jauchzte es ausFriedels Munde, und mit ausgebreiteten Armen ging sie auf ihn zu. Alle andern, auch derVater, sahen ihr maßlos verblüfft zu.