Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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... — 1?9 — „Was haißtKollegen?" sagte er in tadelndem Staunen, „willste mir alten Mann zum Schauten machen? Denk 'ich mir so ne Schkorem aus, die se in de Bischer drucken?" „Stell Dich doch nicht so an. Du", sagte sie zärtlich. „Du verstehst mich ja. Was ist denn Dichten anders als -die Dinge sehen, wie sie das eigene Herz einem zeigt, nicht in ihrem nackten, nüchternen Bestand". . .. „Nu bleib mer bloß mit so ne gelehrten Redensarten vom. Halse", wehrte er, ein wenig verlegen. Und sie lachte, gar nicht beleidigt, hell auf. „Hast recht", sagte sie. „Das läßt sich auch gar nicht »auseinandersetzen. Das muß man fühlen und^verstehen. Und wenn einer ganz besonderes Glück hat, dann verstehen es die, bie er lieb hat, auch noch". Sie stand jetzt mitten im Zimmer -und sah unendlich glücklich aus. Seit Wochen hatte sie in -ihrem Hause viel, viel Kränkendes und Enttäuschendes er-' fahren, die Redaktion hatte ihr geschrieben, daß sie ihr nichts bezahle und nichts von ihr wolle, und nun wurde ihr Talent mit einer alten Hose verglichen. Nicht allzu schmeichelhaft! And doch und doch! Als umfließe sie heute schon aller Dichterruhm, den sie geduldig und arbeitsfroh erstreben wollte, so stolz und sieghaft war ihr zu Mitte. Die Mutter hatte .zustimmend zu des Vaters letzten Worten genickt; aus ihres Max Augen hatte sie ein so warmer Strahl getroffen, daß sie so recht erkennen konnte, wie schwer er unter allem, was -sich zwischen ihn und sie geschoben, gelitten hatte; selbst Eva sah einverstanden aus, wie versöhnt mit einer zwar recht sonderbaren Sache, die doch aber mal nicht zu ändern war. Hriedel lachte glückselig vor sich hin. Sie war mit den Ihren in Frieden. Nein, sie war keine Dichterin des Haffes und ber Bitterkeit. Die „Erfahrungen", das wußte sie,, würden ewig unvollendet bleiben. In ihr mußte es fröhlich und friedlich sein. Wer ihr das Freudenlichtchen auslöschte, erstickte die ganze Arbeitsglut. „Ich werde mein Ziel bestimmt erreichen", dachte sie. „Beide Ziele!. "Ich kann ja gar nicht anders. Das Schreiben kann ich nicht lassen, und die Meinen muß ich lieb haben". 12»