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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 177

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 177 (sequence 53)
Language
German
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177 so e Schlemihl!" Das ging auf mir. „Das schene Geld! Acht gute Groschen for den Lappen! Heißt ne Meziehe!" Da is mer geworden, als iwergießt mich einer mit kochend Wasser. Von den Taler hat er doch keine Ahnung nich gehabt. „Weißte was, geh zum Cohn" — Cohn holte immer de Lumpen un Knochen im Dorfe. „Vielleicht gebt er mer doch noch e paar Pfennge for den Dreck". Ob sich e Mensch schon emal so geschämt hat wie ich, weiß ich nich. Ich bin den andern Tag ausen Hause gerennt, ich weiß nich wie. Wie ich bein Dominium vorbeikomme, ich Hab nich rechts, nich links geguckt, pfeift der Herr Baron auf mir. Er stand mit de junge Frau Gemahlin im Garten. „Nu, Aron, bringste mir meine Stiesel?" De Wasserstiefel hat der Herr Baron immer bein Vater arbeiten lassen, un ich Hab sen hingebracht. „Oder' was haste da iwern Arm?" „Nich de Stiefel, Herr Baron. Ne Hose". Die gnädige Frau Baronin sangt an zu lachen und sagt: „Wer'soll denn die haben?" „Nu, wer wird se haben sollen?" antwort ich, uns Blut schießt mer.schon Widder hoch. „Derjenige, der se bezahlt". "Da nimmt se se mit ganz spitze Finger — ihr Schnupptuch hat se auch noch derzwischen gehalten — hoch, lacht auf un sagt: „Aber die is ja himmlisch". Himmlisch? Ich kann Wohl sagen: Hab ich mer vorhin geschämt wie noch ' im Leben nich, Hab ich mer jetzt akurat so gewundert. Himmlisch fand se die alte Hose, mit die mich der Gannef, der alte Schlesinger, so bemacht hatte?. Un da schreit se schon: „Hanne! Hanne!" un ne Schickse im Weißen Häubchen un Schirzchen kemmt angeschwenzelt, „dreimal in heißer Sodalauge waschen und brühen!" sagt se un wirfter de Hose zu. „Daß sie aber ja fertig ist, wenn wir unS gegen acht zum Maskenball umziehen, und sie muß noch genau so schmierig aussehen wie jetzt. Verstehen Sie?" Un dann klatscht se in de Hände un sagt zum gnädigen Herrn Baron: „Du wirst ein entzückender Vagabund sein". Un wie der gnädige Herr Baron nich mitlacht, sondern so n recht mieß Ponim zieht', als wie, er mechte doch nich. kloppt sen aus de Backen un sagt: „Und außerdem hast Du doch Dein Unterbeinkleid drunter". 12 £

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