Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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— 175 — Antwort der Redaktion. „Immer Liste um mir alten, -kranken Mann — nu, mt, nu, fahr nich auf. Hast je recht, krank bin ich nich mehr. Du hast mich je gesund gepflegt. Oder Du gehst zu Hermanns. Haste auch recht. S is ne große Mizweh, un se wolln je nur Dich haben un keinen sonsten, aber — for Dir selber? was hast Du? immer nur alte, kränkliche Leute, immer nur Geseires, da mußte doch emal raus". „Ach, Vater, wo soll ich denn hingehen?" erwiderte sie beinahe ungeduldig. Sonst hatte sie Wohl freundlicher, liebevoller geantwortet, daß ihr das alles keine Mzwah, sondern eine Herzensfreude sei. Heute war sie zu bitter. Hatte er denn nicht recht? Sie hatte' doch auch gar nichts, woran sie sich hätte freuen können. .„Hast je recht, de junge Hermann is nu fort. Wo sollste wirklich hin? Aber immerhin, Du mutzt doch emal raus. hier. Warum schreibste nich emal wieder e bißchen?" Jetzt fuhren vier Köpfe hoch, in Staunen, Schreck, Verlegenheit und — Freude. Das Letzte, ach, alle vier Empfindungen, spiegelten sich auf Friedels Gesicht. Schreiben? Das heikle, das gefährliche Wort, das in heilloser Angst um den bedrohten Hausfrieden totgeschwiegen worden war, wie ein Gespenst, das man nicht durch ein Wort heraufzubeschwören wagte — es lebte auf, es stand da, als habe es ein Daseinsrecht, es war lebendig mitten unter ihnen? „Schreiben?" Friede! war es, die zuerst die Sprache wiederfand und das Wort zitternd, in unerklärbarem Tone hervorstieß. „Vater, Ihr seid — Du bist doch auch so dagegen?" „Was heißt dergegen?" sagte er in seiner bedächtigen Art. „Ich will Dr mä was erzählen, mein Tochter, ne ganz hibsche Sache aus meine Jugendzeit. Max un Eva Ham se meglicherweise schor^emal gehert" — Friede! sah beiden an, daß sie schon jetzt, ohne nähere Andeutung, die ganze Geschichte nebst Nutzanwendung wußten, aber sie horchten doch ehrfurchtsvoll mit auf — „aber Dich wird se interessieren. Mein Tochter, ich habe sehr, sehr klein angefangen", er sprach es nicht ohne Bewegung, „ich stand nich immer so da wie unberufen heute".