Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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Sonst Ijerte. be Welt auf". Da seufzten sie noch einmal Me tief auf, als nähmen sie Abschied von etwas. Friede! empfand es beinahe wie einen Vorwurf, daß der Vater es sein mußte, der alte, noch immer nicht gesunde Vater, der sie herausriß aus dem Bann trauriger Gedanken. Sie selbst hatte diesmal versagt. Sie hatte des Hauses Stimmung nicht in andere Bahnen lenken können. Sie war selbst zu traurig dazu gewesen. Freilich, als ihr abends ein Briefchen gebracht wurde mit dem Stempel der Redaktion, erschrak sie selber, wie sehr sie dem Leben wieder zurückgegeben, wie ausgeregt und freudebereit sie war. Alles lag hinter, ihr, war vergessen. Sie fühlte nur, daß ihr die Beine zitterten, und daß sie sich setzen mußte. Jetzt kam das Glück! Der Herr Redakteur schrieb ihr, daß sie „in Anbetracht der Mehrkosten, die der Verlag durch die Verteurung des Materials im Kriege" usw. usw. Friede! flimmerte es vor den Augen. Aber sie erkannte doch den Satz: „leider auf Jahre hinaus mit Lesestoff versehen, so daß sie zu ihrem Bedauern" — Also, Honorar bekam sie nicht und haben wollten sie von ihr auch nichts wieder? Es war gut, daß sie selbst nichts merkte, wie stumm und bedrückt sie den ganzen Tag . war. Wie hätte sie sprechen können, da sie doch fortwährend den einen Gedanken hin und her drehte: „Das Leben ist scheußlich. Eltern verlieren ihre einzigen Kinder; andere Menschen leiden Schiffbruch in all ihren Hoffnungen". Sie wußte gar nicht, die dumme, arg enttäuschte Friedel, wie sehr sie sich mit diesem-Vergleich versündigte. „Friedchen!" Ihr blasses Gesichtchen fuhr erschreckthoch, aber sie antwortete doch sofort hilfsbereit: „Id, Vater". „Friedchen, Du gefällst mer heite nich", und er sah sie nachdenklich an. „Ich mir selber schon lange nicht mehr", höhnte sie bitter zurück. „So is es bei mir nu wieder nich", sagte er. „Mir . haste im allgemeinen sogar immer extra gefallen, aber heite — nee, das is mein Friedchen nich. Utt doch, mer kann sich nich wundern". Sie erschrak heftig. Wußte er? Wie eine Schande trug sie die