Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 49)
- Language
- German
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173 ein erregtes leises Weinen heraus. „Pst!" klang es von den Beherrschteren. Friede! hielt tief, tief den Kopf gesenkt. So schrack sie heftig auf, als Frau Hermann gerade vor ihr Halt machte und sie anredete. Sie hielt Minnies Brief in der Hand, den, sie ihr zurückreichte. „Ich habe etjte Bitte an Sie, Frau Böhm", sagte sie mit einer Ruhe, die von neuem alle erschreckte und lähmte, „ich bringe es gleich an, damit unsere Schwiegertochter auch nicht eine Nacht länger als es sein muß, im Unklaren bleibt Schreiben Sie ihr, daß sie sich keine Sorge um ihre Zukunft machen soll. Selbstverständlich sorgen wir für die Frau unseres Sohnes, wie es in seinem Sinne ist, wie er es selbst getan haben würde, wenn seine Einberufung nicht so plötzlich gekommen wäre. Nicht wahr, Sie schreiben ihr das gleich?" Friede! hätte so gerne etwas gesagt, aber sie konnte nur nicken, so erstickten sie förmlich ihre Tränen, und. ehe die andern mehr hätten 'sagen können, war die Gestalt nach einem leise abwehrenden Winken nach den Gästen hin wieder verschwunden, 15. Kapitel. „Scheußlich!" sagte Friede! vor sich hin und zuckte gepeinigt zusankmen. Der Kriegerverein hastete mit klingendem Spiel in einem lustigen Marschtempo vorüber. Vor einer halben Stunde war der Zug langsam und feierlich nach den Klängen des Trauermarsches hier vorbeigezogen. Die Böhms hatten nicht gewußt, wem da die letzte Ehre erwiesen wurde, aber sie hatten an Salo Hermann^gedacht, und da waren ihnen wieder die Tränen gekommen. Und um ihn war es, daß Friede! so gequält zusammenzuckte, als sie die unternehmenden Schritte, die so sicher von der ernsten Stätte ins Wirtshaus strebten, im Takte der ausgelassenen Musik hörte. „Gar nicht scheußlich, mein Tochter", sagte der Vater, der ihr gegenüber am Fenster saß, mit einer Stimme, die doch noch beschwert klang von Weh. „So wills der liebe Gott. E Stickchen soll der Lebendige mitgehen miten Toten, dann soll er zurückkehren ins Leben. So muß s sein.