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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 172

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 172 (sequence 48)
Language
German
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172 O wichtige Truppentransporte 8er Rückweg für Privatpersonen gesperrt, und die Schwiegereltern sollten doch wenigstens sehen, daß es jetzt der Schwiegertochter ernst war mit dem Heimkommenwollen, und daß sie unsäglich litt. Wie ein Verzweiflungsschrei, der sich immer wiederholte, klang es in und zwischen allen Zeilen: „Wo soll ich denn hin? was soll aus mir werden?? Die Männer gingen zum Minjagebet in das Trauerhaus, auch Max, und die drei Frauen begleiteten ihn. Der Vater hatte es so bestimmt. Er könne ganz gut mit Lene allein bleiben- „Me kann nich wissen", beharrte er. „Bei son Unglick nebbich muß me bereit sitzen. Me derf sich nich rufen lassen". Nun saßen sie dort bereit. Die ganze Stube war angefüllt mit solchen, die bereit saßen, aber die, denen all das galt, zeigten sich nicht. Friede! wunderte sich, wie viele Juden es gab in dem kleinen Ort. Merkwürdig, das Unglück hatte sie ans Licht gerufen, wie die Sonne die Mücken. Warum hatten all die, die doch jetzt so intim schienen mit den BetroffeGm, nicht auch die guten Tage anteilnehmend mit erlebt? So gar kein Zusammenhang in dem kleinen Ort, in dem traulicher Verkehr doch Ersatz für so vieles hätte sein können. Ueberall ein grundloses Bösesein, mindestens eine peinliche Spannung, eine geflissentliche Zurückhaltung. .Die allzugroße Nähe hatte sie einander überdrüssig, mißwollend und neidisch gemacht. Keiner, der den Verstorbenen nicht beim Vornamen nannte, der nicht mit Stolz von seinem Werdegang erzählte, nicht mit geschlagen schien von seinem Verlust. Ein Schauer durchbebte Friede!, als sie von dem Grad von Achtung erfuhr, der dem jungen Helden, überhaupt dem ganzen Hause gehörte. Da plötzlich verstummte die vielstimmige, allzu beredte Trauer. Tiefes Schweigen senkte sich über das Zimmer. Die Massentrauer hielt den Atem" an, sie schwieg in Demut vor der Majestät der, die das Recht und die Last der Alleinherrschaft trug. Frau Lea Hermann war ins Zimmer getreten. Ihr Gesicht sah steinern aus in seiner Blässe, und vor dieser Starrheit senkten stch alle Blicke wie in Scham. Da und dort würgte sich «

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