Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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. — 171 — -tz IB. Kapitel. Vor ungefähr fünfzehn Jahren hatte sich die Firma Böhm unter dem Drucke der lästigen Konkurrenz entschließen müssen, das Geschäft auch am Sonnabend offen zu halten. Salo Hermann hatte diese unangenehme Neuerung damals, als er in das Geschäft seines Vaters eintrat, aus der Stadt mitgebracht. Und doch bestand Vater Böhm darauf, daß Max den einstündigen Weg zur Synagoge der benachbarten Kreisstadt machte, um Salo Hermann einen „Mischeberach" machen zu lassen. Und die Mutter war sehr befriedigt darüber. Und die Frau Amtmann, die vornehmste Kundschaft des Hauses, war gekommen, und Frau Böhm senior war tief, davon überzeugt, daß eine solche Kundin nur vom Vater selbst wegen seines bedeutend feineren Benehmens, wenigstens aber von Max wegen seiner'weltmännisch flotten Jugendlichkeit, nimmermehr aber von ihr selbst, bedient werden müsse. Diese Einsicht machte sie nicht sicherer. Daß der. liebe Gott trotzdem dieses Geschäft hatte zustand^kommen ■ lassen, war sie geneigt, auf die Mizwah, den Mischeberach und den Tempelgang an einem Schabbos, an dem auch der Vater im Geschäft fehlte, zu schieben. Freilich, dem, dem das alles zu gute kommen solle, half es nichts. Als sich noch die Eltern und fern in Berlin seine junge Frau und in Krotomischel die Bekannten den Kops zerbrachen, ob Wohl die Ausgerückten schon am Ziele seien und wie dieses Ziel heiße, kam schon die Unglücksnachricht. Ein feindliches Feuer hatte den ankommenden Zug empfangen, und unter den ersten Opfern war Salo Hermann gewesen. Friedels Kuchen und all die nachgesandten Liebeszeichen der Seinen hatten ihn nicht mehr erreicht. Einen Tag nach der Depesche lief noch ein langer, tapferer, liebevoller Brief von ihm im Hause Hermann ein. Andere Botschaften drangen nicht dorthin. Die Tür blieb für alle Besucher verschlossen. Als Friede! einen langen, unglaublich verzweifelten Eilbrief von ihrer Freundin bekam, ließ sie doch durch einen Boten den Eingang dort erzwingen. Jetzt war durch