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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 167

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 167 (sequence 43)
Language
German
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167 Friede!, aber nur zu allererst "hatte sie das Ereignis mit. einem eigensinnigen inneren „meinetwegen" abtun können. Schon nach einer Stunde war sie im Bann der allgemeinen Angst und Sorge. Und als er abends in der Not der Atembeklemmung herauspreßte: „Laßt mer Friedchen e bißchen ans Bett kommen. Wemmer so e jung frisch Pönemchen sieht, vergeßt me de Angst", hatte sie all ihre „Erfahrungen", die da oben aus Vollendung harrten, vergessen. Als gälte es, hier in dem engen Krankenstübchen allen Dichterruhm zu erringen, so sann sie mit Kopf und Herz und allem Formensinn, den ihr die Natur verliehen, darauf, dem Kranken das zu sagen, was er gern hören und was ihn aufheitern mußte. Und noch ein wichtiges Talent für die Krankenstube besaß Friedel. Sie verstand, zu schweigen. Mutter ging das leider vollständig ab. Wenn der Kranke müde war, erzählte sie ihm, was Lene wieder zerbrochen habe und wie meschugge Hermanns seien, jetzt mitten im Winter helle seidene Blusen ins Fenster zu legen — alles Dinge, die ihn langweilten oder ärgerten. Oder sie beschrieb ihm, um seine Hoffnungsfreude zu steigern, wenn es ihm einmal ein wenig besser ging, so genau, wie schlimm es gestern dagegen gewesen sei, daß sich sein Zustand bald wieder dem gestrigen näherte. Max war unglaublich ungeschickt in der Krankenpflege und Eva, das etwas abgebläßterere und unsichere Ebenbild ihrer Mutter. Sonderbar, Friedel regierte in der Krankenstube. Sie schickte einfach die andern hinaus, wenn sie es so für besser für den Kranken hielt, und er war immer ihrer Meinung. Sie sprachen sich in gesunden Stunden über mancherlei miteinander aus, der Alte und die Junge. „Väterchen, wieso ist Max niemals vom Hause weg gewesen? noch nicht mal wo anders in der Lehre?" „Weil er bei keinen nich so viel hält lernen kennen wie bei mir", erwiderte der Vater in unerschütterlicher Festigkeit. Friedel verstand es jetzt schon meisterlich, nur inwendig zu lächeln. Ünd dann erzählte sie von ihrer Kindheit, wie es bei aller Knappheit oft so fröhlich und festlich zugegangen sei, als die Eltern noch gelebt hatten, und er hörte ganz ernsthaft

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