Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 166

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 166 (sequence 42)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111108-3117450--5867-3117642
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

verheiratete Frau bist. Alles das kommt da dervon", Friede! zückte nur spöttisch die Achseln. „Die Arbeit unten un das Geschreibe hier oben, das muß Dir doch über,de Kräfte gehn". Es klang ehrlich besorgt, aber Friede! antwortete ungeduldig: „Dann sind es doch meine Kräfte, und über die kann ich doch allein verfügen". „Nu, wenn eins verheirat ist", widersprach die Mutter kläglich, „da darf me auch nich seine Gesundheit for nichts vertun, die is me den Mann schuldig so gut wie alles andere. Wenn der Vater sieht/ de Arbeit unten wird Der zu viel, da meint ers doch gut, da mußten-gehorchen un Dich hinlegen un da darfste noch nich ema mehr denken". Friede! war aufgesprungen und hatte den Halter Heftig über das Papier geworfen, so daß die Tinte darüberspritzte. Die Mutter war wieder hinuntergegangen, sodaß das Wort „Koffern!" laut und zornig durch das Zimmer hallen konnte, ohne daß es jemand hörte. Friede! setzte sich wieder an die Arbeit. Was sie erlebt und gelitten, das sollte nicht in schwächenden Tränen und Klagen verpufft werden. Das sollte sich in ihre Arbeit ergießen. Die handelte nicht mehr vom „werdenden Glück", sondern von innerer. Einsamkeit, Enttäuschung und trostlosem Nichtverstandensein. Düs Leid gehörte ja wohl auch dazu, um eine Kunst zur Reife zu bringen. O, sie sollten chon Respekt vor ihr und ihrem Können bekommen. Seit ie die mißtrauischen Blicke auf sich fühlte/rieb sie sich örmlich auf in der Anstrengung, nur ja in Haus und Geschäft zu bestehen, nicht wie früher manchmal, wo man das noch gutmütig auf ihre Anfängerschaft und Jugend geschoben hatte, etwas zu vergessen oder zu verlegen. Sie schrieb einen sachlichen Brief an die Redaktion, meldete ihre neue AÄeit „Erfahrungen" an und bat um das rückständige Honorar für die vorige. - Unsinn, nur kein Genieren! Wer auf sein Ziel los wollte, durste nicht zimperlich sein. Der Vater wurde krank. „Noch nicht mal zu einem ordentlichen Aerger hat der Mensch hier Muße", dachte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.