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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 165

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 165 (sequence 41)
Language
German
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— 165 — „Hattest Du mich nicht gerufen?" fragte sie. den Vater, <aber nicht in dem zärtlich ehrerbietigen Ton wie sonst. „Nein, mein Tochter. Erwachsene Menschen ruft me nich an de Pflicht, die kommen von selber". Sie zuckte wie in körperlichem Schmerz zusammen. Sie konnte auf einmal seine Weisheiten, die immer eine Anzüglichkeit enthielten, nicht mehr ertragen. „Ich finde auch, daß ein Erwachsener das Selbstbestimmungsrecht haben muß", sagte sie kurz, und dann half sie fiebrig eifrig, mit wachem Kopf und ganz der Sache hingegeben. Sie machten Inventur, und die Tage gab. es wirklich viel zu tun. Sie wich erst von des Vaters Seite, als er sie selbst wegschickte. Kein Wort, das nicht dem Geschäft gehörte, war gesprochen worden. Auch Ton und Art war geschäftsmäßig gewesen. So war es ja eigentlich immer im Hause zugegangen, ehe Max geheiratet hatte. Und nun auf einmal drückte es sie alle so nieder. Arm" traurigsten sah Max aus, so, als fühle er allein sich verantwortlich, daß es keinem mehr recht gefiel. „Wo ist denn" — er stockte, als er, eintretend, seinen Vater allein fand, „meine Frau?" „Oben, in Eure Schlafstube. Laß se, daß se sich e bißchen ausruht. Se is mer ne große Hilfe". Tiefe anerkennende Achtung lag auf dem letzten Satz, und Max wurde doch nicht froh. Die Mutter hatte dabei gestanden/ und verschwand jetzt nach dem Schlafzimmer der jungen Leute hinauf. Das Verhältnis hatte sich gewandelt. Jetzt war sie es, die Friedei nachging und immer wieder nach Aussprache und Verständigung drängte, just, als kämpfe sie um das bißchen Sonnenschein, das ein Weilchen das nüchterne Grau ihres Hauses überlichtet hatte und so schnell wieder geschwunden war „Siehste, da schreibste nu wieder", sagte sie von der Tür aus in weinerlich vorwurfsvollem Tone, „anstatt daß De Dich nu e bißchen ausruhst, da strengste Dir den Kopp an un schreibst wieder". „Hab keine Angst. Euren ehrlichen Namen schände ich nicht", höhnte Friede! bitter und schrieb verbissen weiter. „Ich schreibe unter meinem Mädchennamen". „Na, siehste, was brauchste abzuleugnen, daß De ne anständig

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