Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 40)
- Language
- German
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— 164 — Vorwurf, wieso er denn so gar — gar — keine Ahnung gehabt habe von dem — dem — Talent. Er sprach das- Wort gedämpft wie in Scham. „Wenn Du das gewußt hättest", fragte sie bitter, immer noch in Tränen, „hättest Du mich wohl gar nicht genommen?" Er hatte sie im Arm. Sein Gesicht wurde sehr nachdenklich — er war halt ein ehrlicher Kerl. „Ich glaube" — er zögerte eine Sekunde, dünn sagte er leise, aber fest: „Nein!" „Max!" rief es eben von unten her, und das war gut. So war Friede! allein ün§ konnte sich endlich, endlich ausweinen nach Herzenslust. 11. Kapitel. Und schicksalswendend wurde der Tag für sie doch. Minnie Hermann traf sie erst'am andern Tag. Gleich am frühen Morgen kam die angewirbelt, und Friedet ging mit recht selbstsicheren Schritten mit ihr vor die Ladentür. Sie weidete sich ordentlich an den vorwurfsvoll mißmutigen Blicken, die sie im Rücken fühlte. Minnie war von der Skizze geradezu begeistert, beglückwünschte Friede! zu dem „e ntzückenden-. Talent", mdem sie sie auf offener Straße umarmte uns machte ihr liebevolle Vorwürfe, daß sie ihr als Freundin nie etwas davon verraten habe. „Man muß sich ja ordentlich geschmeichelt fühlen,'solchen geistvollen Verkehr zu haben". „Ach. du lieber Himmel!" wehrte Friede! verschämt. Aber Minnies Worte taten ihr. wundervoll wohl. „Na, aber das ist doch klar", eiferte Minnie, „was sagen denn bloß die Ihren, Ihr Mann und Ihre Schwiegereltern, dazu?" Friede! wurde rot, besann sich erst ein Weilchen und sagte dann langsam und ganz leise: „Die sind sehr, sehr ungehalten darüber". Minnie machte zuerst ein verdutztes, und dann ein sehr verächtliches Gesicht. „Glauben Sie mir nun, daß die Krotomischler alle Kaffern sind?" „Ja!" sagte Friede! ganz fest, und dann drehte sie sich um und lief in deu Laden zurück.