Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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— 163 — „Vater, und was sagst Du?" Der erhob sich mühsam, Leide Hände auf die Seitenlehnen gestützt, aus dem Lehnstuhl, in dem er in so seltenem Schweigen gesessen hatte. Es klang kummervoll gepreßt, als er, mehrere Male schwer mit dem Kopf nickend, zur Türe ging und sagte: „Mein Tochter, die Sache is mer sehr, sehr, sehr neu. Da kann ich noch nich viel derzu sagen". Friedei wandte sichkurz der anderen Tür zu, die zum Flur und Treppenhaus führte. Nur schnell in den einzigen, eigenen Raum, -das Schlafzimmer. Sich ausheulen! begründete sie in Gedanken ihre Flucht." Als sie heftig von innen schließen wollte, wurde die Tür von außen festgehalten. Ach so, Max! Es war höchste Zeit, daß er ihr nachkam, daß er nun endlich auch das Wort ergriff und sie beruhigte und tröstete. Unten hatte sie vergeblich auf seine Hilfe gewartet. Mit staunendem Schreck sah sie in sein rotes -Gesicht, das zornig und ungut aussah. „Was willst Du "denn?" fragte sie wie in Angst vor neuer Kränkung. „Ein Loch Hab ich im Strumpf", sagte er in so beleidigtem Tone, als habe ihm jemand das Schlimmste zugefügt. „Sehr wichtig, daß Du mir das.jetzt erzählst", Höhnte sie bitter. „Dann werde ich es Dir stopfen". „GMern hatte ichs aber auch schon", ries er in stark -erhöhtem Tone. „Dann hättest Du mir den Strumpf gestern geben sollen", sagte sie in unnatürlicher Ruhe. „Ich kann doch -nicht wissen, daß Du einen zerrissenen Strumpf anhast. Ich sehe doch Deine Strümpfe nicht jedesmal nach,, wenn Du sie ausziehst". „Natürlich nicht!" schrie er ganz brutal los. „Du bist ja eine Dichterin. Denen ist es ja ganz egal, ob in der Wirtschaft alles drunter und drüber geht und der Mann in Lumpen daher geht". Jetzt warf sich Friede! -auf das Bett und weinte fassungslos auf. Tränen konnte ■et nicht sehen. Er wurde sofort weich, nahm sie behutsam hoch, sagte duldsam, daß schließlich jeder mal einen Fehler Mache, und daß sie ja noch jung sei und sich ändern könne, und dann zaghaft, und doch wieder mit leisem 11*