Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111108-3117450--5863-3117638- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 162 — / Wort. Aber sie sprach so bewegt und laut, wie sie sonst nie tat, wie es eben der Wichtigkeit der Sache entsprach: „Bekowete Leute gewesen so alt wie wir sind", hörte Friede!. „Und schon die Eltern so hochanständig. Immer auf den Pfennig bezahlt, hier die Ware, da 's Geld. Und nie is iber einen in . de Familie auch nurs Geringste geredet worden". Friede! nickte einverstanden. Sie wollte doch gewiß nichts gegen die alten Herrschaften, die nun schon so lange ruhten, sagen, aber das Thema schien doch nicht ganz aktuell. „Wenn die wißten, daß eine jvon unsre Familie in de Zeitung stand". — Wie? hörte Friede! recht? „Ist denn?" Sie konnte es noch gar nicht fassen. „Ist denn —" stoßweise entrangen sich die.Worte ihren Lipp.en, „Schriftstellern etwas Unanständiges?" „Was Bekowetes is es nich", antwortete die Mutter mit lauter, vor Aufregung weinerlicher Stimme. „Ob eine sich nu hinstellt tut de Beine in de Luft schmeißt un de Menschen was vortanzt oder ob sen Theater Vormacht oder andere Stuß, ne orntliche Frau hat ihren Haushalt un ihren Mann, for was andres darf se gar keine Zeit haben, un die sich noch vor andre zeigen, die taugen alle nischt". „Na, es ist doch bloß das eine Mal", wehrte Eva, 's „ist doch nicht immer". Von der Seite kam Friede! eine schwache Verteidigung? Wie schlimm mußte es um sie stehen.. „Me darf auch nich en einziges Mal vom rechten Wege abgehen", jammerte die Mutter. „Ene Frau, die Scham hat, darf nich in de Zeitung, un noch derzu sone Sachen, wie heutzutage geschrieben wern- „Werdendes Glück". Frieher hat sich ne Frau en Tuch iwers werdende Glück gehängt, daß mers nich sehen sollte". Und als Eva rot wurde und erschreckt hochsah, „nu ja. Du schämst Dich, wenn ich das vor Dein Vater un Dein Bruder sage, un nu stehts von eine von uns in de Zeitung". Friede! war zu betäubt, um widersprechen zu können. Wie ein Hilferuf klang es, als sie jetzt förmlich schrie: