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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 153

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 153 (sequence 29)
Language
German
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-als blutarme Leute gestorben oder leben heute noch von der Gemeinde. Mt einem ist es noch schlimmer gekommen". Friede! schwieg beklommen. Wo wollte die alte Frau hin? .„Mein guter Mann hat immer gesagt — er ist hier geboren Änd hängt so sehr an -Krotomischel — „Hannchen, Du bist die vernünftigste Frau aus der ganzen Gemeinde". Ich sage: „das ist doch keine besondere Vernunft, wenn man den Mann nicht aus seinem sicheren Besitz und seiner Zufriedenheit treibt". Und sehen Sie, Kindchen, voriges Jahr, da habe ich gebettelt und gebarmt: „Mann, laß uns fortziehen/. Ich habe gewußt, es tut rticht gut. So ne junge Frau fürchtet sich vor der Schwiegermutter. „Aber, wenn sie Dich erst kennt, nicht mehr, Mutter", hat mein Salo immer gesagt. Mit dem Jungen war auch nicht zu reden. Nun, was soll ich viel sagen? Salo hätte sich ja was anderes gesucht — darauf hätte ich bestanden — aber jetzt im KriegI Und mein Mann ist dabei-geblieben, gegen meine Bitten und Tränen: „Ich geh nicht aus meinem Eigentum. 'Ich wills gemütlich haben auf meine alten Tage". Hat ers nun gemütlich?" Friede! sah mit tiefer Teilnahme das sorgenvolle -Gestcht, in dem es bebte wie von verhaltenem Weinen. Sie wollte gerade etwas sagen, was die alte Dame beruhigen und ihre Schwiegertochter verteidigen sollte, da ging die Tür auf, und Herr Salo Hermann trat ein. Und Friede! starrte fast vor Staunen über die Wandlungsfähigkeit in Miene und Wesen dieser Mutter. „Nun, mein Junge?!" rief sie ihm fröhlich aufmunternd zu. „Immer näher! Deine alte Mutter hat seltenen, sehr lieben Besuch". „Ach so", sagte Herr Salo als er in den Lichtkreis der Lampe kam, und reichte Friede! die Hand. „Ich hatte Sie gar nicht erkannt, gnädige Frau. Ich dachte, es wäre meine Frau, die hier säß". Die Enttäuschung war unschwer herauszuhören. Aber die Mutter überhörte sie augenscheinlich. „Ohne die säßen wir auch nicht hier", sagte sie in harmlosem Ton. „,Aber sie hat sich ein bißchen hingelegt".

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