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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 151

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 151 (sequence 27)
Language
German
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flüssige Zeit haben, tun Sie doch das, was ich mir Hier und zu Hause immer vergeblich gewünscht habe, tun Sie doch Kriegsdienst", aber die andere hätte sie jn doch nicht gehört. Das Schluchzen war krampfhaft geworden, die eiskalten Finger zuckten, immer wieder wie in Erstickungsnot nach Brust und Hals. Friede! bettete sie mit Weichen Worten und Kissen auf das Sofa und war so recht lieb und mütterlich zu ihr. Es tat der Kranken sichtlich wohl! „So! und nun wird kein Wort mehr gesprochen. Nur schön geschlafen!" Auf Zehenspitzen schlich sie davon. Unten im Hause begegnete ihr die alte Frau Hermann. „Schon wieder fort, Frauchen?" Eine Hand streckte sich ihr freundlich entgegen. „Wir freuen uns immer so, wenn Sie Mnnie besuchen. Die Abwechslung tut ihr not hier in unserer Einsamkeit. So junge Menschen brauchen Zerstreuung und Verkehr. Das heißt, wir Alten freuen uns»auch, wenn lieber Besuch kommt". Die Tür zur Wohnstube, die Friede! wunderbar anheimelnd vorkam in ihrer sauberen ehrlichen Altmodischkeit, öffnete sich. Friede! hätte der lieben, beinahe schalkhaft vorgebrachten Einladung nicht widerstehen können. „So, Frauchen! Setzen Sie sich. Nein, hierher, in die Sofaecke, da sitzen Sie gemütlicher. Ich hole uns ein Täßchen Kaffee". „Keine Umstände bitte, Frau Hermann", wehrte Friede!. Aber sie sah, die Kanne war nicht weit. Sie stand noch in der Ofenröhre. „Mach ich auch nicht, Frauchen", sagte Frau Hermann gemütlich. „So ein lieber, junger Gast nimmt fürlieb. Mein Mann ist ein bischen fortgegangen. Der kommt nun um die Freude, Sie hier zu sehen. Aber, werden Sie sich auch nicht bei mir langweilen? Soll ich Minnie herunterrufen lassen?" „Ich werde mich ganz gewiß nicht bei Ihnen langweilen, Frau Hermann". Friede! blickte mit wahrem Wohlgefallen in das nicht mehr junge und doch regelmäßig schöne Gesicht, in dem sie die Züge des Sohnes, in das angenehm Weiche und Weibliche übertragen, wiedererkannte. Wie konnte das Minnie unangenehm sein? „Ihre Schwiegertochter wollen wir nur ganz in

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