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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 147

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 147 (sequence 23)
Language
German
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147 mein, erstlas sie ja der Vater. Sie sah ihn ordentlich, -wie er das Blatt erst von sich weit ab und dann dicht vor die Nase hielt, erst den Namen „Frieda Böhm" und dann sie und dann wieder den Namen anschauen würde. „Friedchen, hier heißt eine, die die schöne Geschichte 'gemacht hat, akerat wie du", und dann — nein, nein, nicht übermütig werden! Es konnte schließlich keiner etwas dafür, daß er begnadet war. Aber freuen würde sie sich über die allgemeine Hochachtung, das konnte sie nicht -leugnen, wenn ihr Max, der ein Mädel ohne Pfennig -geheiratet hatte,"nun womöglich noch eine glänzende Partie gemacht hatte. Ach, sie gönnte es chm so. Heute nahm sie es noch dankbar hin, daß sie der Vater ermunterte, doch mal wieder zu Hermanns zu gehen, „daß Dr nich mieß wird vor die ewigen Böhms". Es kam ihr ganz gewiß vom Herzen, daß sie freundlich erwiderte: „Das kann mir nicht passieren. Aber Weggehen tue ich ganz gern mal". Friede! freute sich schon auf dem ganzen Weg auf Lie Freude, die sie mit ihrem Besuch machen würde. .„Schimpfen Sie nicht", rief sie lustig in den Biedermeiersalon hinein, den ihr ein mühsam zum Stubeümädchen wbgerichteter, kleiner Bauerntrampel öffnete. „Ich konnte -wirklich nicht eher. Aber nun bleibe ich auch lange". Friede! war enttäuscht, daß Minnie zwar wieder sehr lieb und freundlich, aber doch lange nicht so stürmisch in ihrer Empfangsfreude war wie das vorige Mal. Ach so, sie waren nicht allein. Minnies Mann war im Zimmer und Herr Leo Lesser. Die junge Hausfrau mühte sich ehrlich,-, all ihren Gästen gerecht zu werden. Herr Hermann war, was Friede! schwer auf die Seele fiel, bedeutend netter und aufmerksamer zu ihr, als ihr Max gegen Frau .Hermann zu sein pflegte. Und Herrn Lesser schien die Vergrößerung seines Zuhörerkreises, — er erzählte fortwährend Witze — durchaus sympathisch zu sein. Und .doch kam Friede! aus dem Gefühl der Enttäuschung Nicht -heraus. Vielleicht hätte sie über Herrn Leffers Erzählungen auch so lachen können wie Minnie, wenn sie nicht peinlich den Druck mitempfunden hätte, unter dem der 10*

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