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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 148

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 148 (sequence 24)
Language
German
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— 148 —. junge Hausherr sichtlich hier saß. Sein etwas eingefrorene®* Lächeln quälte sie und seine Augen, die nicht mitlächelten. Er verabschiedete sich auch bald etwas gedrückt und gincp nach einem fragenden Blick auf Lesser, den der aber nicht' zu bemerken schien, wie zögernd in sein Kontor. „Ja, ja, Sie haben einen fleißigen Manu", sagte Lesser mit: einem kleinen Seufzer der Verlegenheit. Es schien ihn selbst zu genieren, daß er nicht mitgegangen War. „Der* verplaudert keine Geschäftsstunde. Da muß sich unser-- einer verkriechen". Das war ja eigentlich ein Lob, aber Griedel hörte* doch so etwas wie Verächtlichkeit heraus. „Ja, immer hat er zu tun", sagte Miunie, und das .* klang auch nicht wie Lob. „Uebrigens nicht nur die Erb-* angesessenen sind hier so. Auch die Importierten sind., solche Musterexemplare, daß einem dagegen ganz gruselig wird ob der eigenen Unvollkommenheit. Denken Sie mal, Freund. Leo, hier diese Perle von einer Frau wäscht: ihrem Schwiegervater die Unterhosen". „Frau Hermann", rief Friede! tadelnd. „Frau Hermann nennt sie mich vor lauter Empörung,, und knallrot wird sie", lachte die und klatschte vergnügt in die Hände. „Vor Herrn Lesser brauchen Sie sich«nicht zu genieren. Der ist das gar nicht wert. Was, Lev?"' „Sie können volles Vertrauen zu mir haben, meine- Damen", beteuerte Herr Lesser drollig feierlich. „Ich bin verschwiegen wie eine Litfaßsäule". Aber er sah nicht ohne* erstaunte Teilnahme auf Friedels tiefes Erröten. „Das -Krotomischel!" sagte er gedankenvoll vor sich hin, „das* soll einer diesem gottverlassenem Nest zutrauen, was es* für reizende, junge Frauen hat". „Leider", sagte Minnie, ohne sich ihrerseits gegen das Kompliment zu wehren : „Meine Mutter fängt ihre Briefe an mich nie anders an als: „Mein armes Kleines!" Als sie vor meiner Hochzeit hierher kam wegen der Einrichtung und das Nest gesehen hat, hat sie geheult. Ich tue ihr gar zu leid".. „Das finde ich aber sonderbar", sagte Friede! wievor sich hin, „daß Ihnen Ihre Frau Mutter Ihren,. Wohnort noch so verekelt!"

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