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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 143

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 143 (sequence 19)
Language
German
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Selbstsichere, eine — Neuere. Richtig, neuer war Minnie; sie selbst war noch ein altmodisch schüchternes Weibchen. And die Neuere hatte ihr erst zum Persönlichkeitsbewußtsein verhelfen müssen. Was brauchte sie sich denn zu schämen, daß sie ein Talent hatte? Eine Welt für sich, -eine eigene, aus der heraus sie beinahe wie von einer höheren Warte herab,— Unsinn, das hatte ja Minnie gesagt. — Und was sagte sie selbst? Nun, nichts weiter, -als daß ihr das Schicksal etwas Schönes, das Leben Schmückendes und — Brauchbares verliehen hatte, das -einmal, — wer konnte es denn wissen? — dem ganzen Hause zu Glück und Ehre und Reichtum, — jetzt mußte sie lachen, Reichtum, — das würde dem Schwiegervater imponieren und den andern auch, — verhelfen konnte. Eigentlich doch schade, daß sie das, was der Redakteur vom Honorar gesagt haben würde, nicht abgewartet hatte. Aber nein, ihr wurde ganz heiß bei dem Gedanken. Das, hätte sie doch nicht können. So kurz der Weg war, — in Krotomischel gab es keine Entfernungen, — ehe Friede! an ihrer Haustür war, war ihr Lebensprogramm fertig Nicht etwa bei kleinen Skizzen und beim Krotomischler Wochenanzeiger stehen bleiben, das war nur der, nun. sagen wir — vielversprechende — Anfang. Dann mußte sie hinauf zu größeren Werken, zu größeren Kritikern. So sehr sie des Herrn Redakteur Lob beglückt hatte, man sah ihm an, daß er die Werke der Brauer lieber prüfte als die der Dichter. Und alle Erfolge, aller Ruhm und alles Geld sollte sie nicht hindern, die beste Hausfrau, die liebenswürdigste Gattin und Schwiegertochter zu sein. Und all dies machte sie unendlich selig. Ihr „Guten Abend" klang so sieghaft fröhlich, so furchtlos, daß alle vier, die um den Tisch saßen, erstaunt hochsahen. Auf dem Tische standen die Ueberreste des Abendessens- Vater las die Zeitung und schien sehr vertieft zu ein, denn er hatte ihren Gruß nicht erwidert. Tief verstimmt sahen sie alle aus. „Nu sin de Kartoffeln kalt", agte bie Mutter. „Was redste lang?" herrschte der Vater unwillig von der Zeitung her. Friede! fand, daß die herabgerutschte

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