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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 144

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 144 (sequence 20)
Language
German
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Brille sein Gesicht viel strenger und böser machte. „Wenm se kalt sin, stell se warm. Kalte Kartoffeln kann kein Mensch nich essen". „So viel weiß ich auch", brummte die Mutter inr Abziehen. Jetzt saß Friede! doch ein wenig eingeduckt da. Den Anschnauzer hatte die Mutter bekommen, aber Friedel. fühlte genau, an welche Adresse er gerichtet gewesen war. Eva machte ein Gesicht, als sei eine Schuld begangen, diealle drücke. Wie ausgescholten saß sie da, eifrig über ihre Flickerei gebeugt. Max hielt den Kopf gestützt und hatte ebenfalls ein Zeitungsblatt vor sich. Als Friedel, sich niederbeugend, ihm von unten herauf ins Gesicht sah, merkte sie, daß er garnicht las, sondern inpeinlichen- Gedanken befangen schien. Auf einmal erfaßte sie Von neuem wie ein Taumel ihr großes Glück. Vielleicht war sie auch noch aufgeregt von ihrem Besuch, sie konnte sich plötzlich nicht so hineinfinden in die allgemeine Verstimmung, in diese Entrüstung um Nichtigkeiten. Sie lachte hell auf. Drei Augenpaare flogen zugleich erschreckt und empört zu ihr auf. „Nuuuu" machte der Vater und schob die Brille zurück, als äffe ihn ein Trugbild. Zwei freundlich lächelnde Augen antworteten seinem ungläubig erzürnten Blick, eine Hand streckte sich herzlich über den Tisch zu ihm hin. „Du sollst nicht so ein böses Gesicht machen, Väterchen", klang es schmeichelnd herüber. „Das steht dir gar nicht. Du sollst mir wieder gut sein, trotzdem ich so liederlich war, zu spät zu kommen." Der Vater sah aus, als sei er ein' wenig ratlos nach diesem Ueberfall. Seine beiden Kinder sahen wie erschreckt von ihm auf Friedel und wieder zurück. Was sollte das werden? Von jeher hatte Vaters Zorn allen die Kehle zugeschnürt und die Glieder gelähmt. Und nun kam jemand fremd ins Haus und wagte zu lachen und so zu reden? „Was heißt liederlich?" sagte der Alte. Es klang immer noch ein bischen unsicher. „S is einer noch nich

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