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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 141

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 141 (sequence 17)
Language
German
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— — 141 — Die andere atmete tief auf. „Etwas muß der Menschhaben, daß er Krotomischel erträgt", sagte sie mit beinahe innbrünstiger Betonung. „Friede! Böhm, wie weit Ihr Vertrauen zu mir reicht, weiß ich ja nicht. Ich habe keine Ahnung, was Sie mir verschweigen. Aber ganz allein mit Ihrer gottgesegneten Vernünftigkeit ist es nicht getan. Etwas müssen Sie noch haben, das Sie zufrieden sein läßt, etwas Besonderes, Schönes, eine Welt für sich, aus der heraus Sie das alles hier wie von einer höheren Warte aus betrachten. Warum leugnen Sie es nur?' Menschenskind, Sie haben doch ein Recht darauf, Ihr Persönlichkeitsrecht". Friede! begriff sich selbst nicht. War es die beinah prophetische Betonung, die feierliche Bestimmtheit, mit der ihre Freundin gesprochen, ihr war es auf einmal, als sähe sie sich' und ihr Geheimnis, das fie wie mit Scham vor aller Welt verborgen hatte, in einem anderen Licht. Sie strebte in-» beinahe verlegener Hast davon. Als sie auf die Straße trat, sah ihr das kleine Städtchen,, das ihr auf dem Herweg schon altvertraut und gewöhnt gewesen war, ganz neu und fremd aus. War es, well sie von einer höheren Warte aus die Welt betrachtete? 5. Kapitel. Friede! war an Pünktlichkeit von daheim her gewöhnt. Mein Gott, Mädchen die einen Beruf haben,, der sie ernähren soll, und die sich auch untereinander das Leben nicht erschweren wollen, lassen nicht warten. Und heute würde sie zu spät kommen, das wußte sie. Die Tatsache war ihr so neu, wie das, was sie erlebt hatte und was sie fühlte. Alles wie ein Traum, aus dem sie gar nicht so recht erwachen konnte. Daheim saßen sie doch jetzt und warteten und schalten vielleicht auf sie. Wollte sie sich denn gar nicht ein bischen beeilen? Nein, sie wagte wahrhaftig noch einen kleinen Umweg. Sie bog in eine Seitenstraße ein und drückte mtt zitternder Hand das Türschloß eines kleinen Hauses nieder, das von außen ganz nüchtern und gar nicht so furchterregend aussah. §Ü§

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