Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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138 ehrlich ernst aus. „Menschenskind, wie ist es denn nur möglich, daß einer das erträgt, sogar in derselben Wohnung mit den lieben Angehörigen! Sehnen Sie sich denn nie einmal nach Alleinsein? nie danach, sich den Tag nacheigenem'Geschmack einzuteilen?" „Doch,FrauMinnie", sagte Friede! aufrichtig. „Aber", und sie seufzte schwer auf, „man hat ein Zuhause". „Aber das hatten Sie doch früher auch, bei dem Verhältnis, das zwischen Ihnen und Ihren Schwestern herrscht". Friede! sah unendlich traurig aus, als sie jetzt die Achseln zuckte. „Wie das so ist, wenn die. Eltern nicht mehr sind. Einmal hatten wir eins, dann wieder nicht, wenn es nicht mehr ging mit den Pensionen, wenn in der einen Wanzen waren, und in der andern nicht geheizt wurde oder einem in der dritten noch ganz andere Dinge passierten, dann kamen wir wieder überein, wir wollten für uns Wirtschaft führen. Zuerst waren wir immer wie erlöst, daß wir für uns waren. Wenn es dann aber wieder zu viel kostete, oder die Bedienungsfrauen uns in Stich ließen oder alles wegschleppten, dann gaben wir es wieder auf. Ein Hin und Her, im Beruf und im Leben, nirgends einen festen, sicheren Platz", aus einmal weinte sie heftig auf. Die armen Mädel zu Hause! Nichts hätte die beiden jungen Frauen mehr zusammenführen können als der unfreiwillige Tränenausbruch von Friede!, als die erschreckte Teilnahme ihrer liebenswürdigen Wirtin. Frau Minnie wußte gar nicht, was sie anstellen solle, um ihren lieben Gast wieder froh zu machen. Friede! lachte schon wieder unter Tränen. Friede! sagte, so viel Süßigkeiten und so viel Witze seien gleicherweise unkriegsmäßig, und doch naschten sie weiter und machten weiter Unsinn und vergaßen alles Traurige der Welt. „Sonst bin ich viel verständiger", prahlte Friede!. „Sie sind an allem schuld, Frau Mnnie". „Nennen Sie mich schon Minnie. An der „Frau" habe ich wirklich keinen so großen Spaß". „Daß Sie immer so reden mögen", tadelte Friede!. „Sie haben doch einen guten, hübschen Mann, einen sehr hübschen sogar".