Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 13)
- Language
- German
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— 137 — Jahrhundert wieder heraufzubeschwören. Und die reizende Herrin Paßte wunderbar gut in den Rahmen. Ihr grünseidenes Gesellschaftskleid — arme Frau Minnie! was -sollte das hier? sie hatte es für den schlichten Gast angezogen, Wohl, damit es nur einmal ein verständnisvoller Blick treffe — war fast krinolinenartig gearbeitet, und selbst die Frisur lehnte sich stark an das Biedermeier an. „Jettchen Gebert!" rief Friedel entzückt. „Genau so denke ich sie mir, und so sah es bei ihr zu Hause aus". Da wurde Frau Minnie rot vor Vergnügen und fand nicht mehr, wie vorhin beim Ankleiden und nachher Leim vergeblichen Warten, daß es doch verrückt von ihr sei, so Toilette zu machen. „Wie haben Sie es hier reizend!" Friedel sah sich ganz entzückt um. „So geschmackvoll! und" — sie kuschelte sich behaglich in das altmodisch moderne Sofachen hinein, —- „und so urgemütlich". Minnie Hermanns Herz ging immer höher. Sie machte ganz allerliebst die Wirtin, mit solcher anmutigen Selbstverständlichkeit und Grazie. Die feinen, weißen Fingerchen, die mit der Teemaschine und all den reizenden Sächelchen hantierten, dasweiche mattgetönte Licht, das alles in seinen mllden Schimmer nahm, und lieb und traulich über die schneeweißen gepunkteten Gardinen chingeisterte, hinter denen sich die Schatten blühender Topfpflanzen abzeichneten. Friedel empfand beinahe körperlich das Wohlbehagen, Her Schwiegermama und ihrem Waschtrog entrückt und in solch andere, zierlich hübsche Welt versetzt zu sein. „Wenn wir uns nach dem Krieg, wenn wieder gute Zeiten sind, selber einrichten, mein Max hat es sich fest 'vorgenommen", sagte sie gedankenvoll, „müssen Sie uns aussuchen helfen". „Kommen Sie als Abgesandte Ihres Herrn Gemahls mit dieser Bitte?" fragte Frau Hermann ernst, und .Friede! lachte ihr beherztes „Nein!" gerade heraus. Es wirkte zu drollig, wie klar sich Frau Hermann über den 'Grad ihrer Beliebtheit hierorts war und wie sie sich selber Lrüber lustig machte. Auf einmal sah Frau Minnie