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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 131

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 131 (sequence 7)
Language
German
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— 131 — „Die ruht nid), bis se den Mann mechulle hat", - Brummte der Vater. „Wenn er sich's gefallen läßt", sagte Max und sah -so zornig aus, als müsse er all den Luxus bezahlen. „Und der Rock!" fuhr Eva fort, „kaum bis übers , Knie. Die ganzen Beine sieht man". „Nischt Bekowetes!" sagte die Mutter. Und Max wurde immer zorniger. „Wenn das meine Frau wäre! Wenn meine Frau so dahergehen wollte!" Er ballte Beide Hände zu Fäusten, aber die Grausamkeit schien ihm nicht recht zu liegen, sodaß er ein wenig hilflos mitten in seinem bedingungsweisen Gattenzorn stecken blieb. „Was redste hohe Töne?" sagte der Vater. „Deine Frau is je nich so". Da sah der junge Ehemann aus wie ein Schulkind, das der Herr Lehrer vor der ganzen -Klasse gelobt hat. Es klang gepreßt vor verlegener Freude, als er leise sagte: „Ein bischen anders ist sie schon". „E bischen anders?" Der Vater, der vorhin bei der Zeitung so furchterregend ernst ausgesehen hatte, hatte -gute Laune. „Wenn ich den Chillek zwischen die beiden Klavier spielen kennte, wär der Schaute da in Berlin, — nu, wie heißt er, Evchen, von den de mir da neulich ausen Schornal vorgelesen hast, der Laucheifetz mit die vier Frauen, die er abwechselnd geheirat hat, wo se dreißig Mark forn Platz geben, — gegen mir, was nebbich Jakob Hermann in Krotomischel gegen Gerson in Berlin is". Alle lachten. Nur Friedel blieb tiefernst. Ganz feierlich, ganz stolz sah sie aus, als sie etwas tat, was die andern ganz starr machte. Sie ging auf den Lehnstuhl am Fenster zu und küßte ihren Schwiegervater mitten auf seinen bärtigen Mund. In diesem Augenblick .pustete Max ordentlich hilflos vor innerer Hitze und Beklommenheit, und der Vater, der doch immer der Richtunggebende sein mußte, selbst in den sonderbarsten Augenblicken, sagte: „Nu geh schon, mein Tochter. Helf de Mutter Leis Abendbrot". Aber es hatte sehr weich und milde geklungen, und Friedel fühlte sich nicht sort- Zeschickt. Ganz lustig hob sie den Kopf, und jetzt lachte 9*

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