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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 130

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 130 (sequence 6)
Language
German
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130 geblieben war, als es ihr gefallen hatte, sagte Friede!, die die ganze Zeit.ihre Hand gehalten und oft beschwichtigend gedrückt hatte: „Ich begleite Sie noch ein Stückchen". Vor der Tür atmeten beide tief und wie befreit auf. „Na ist es nun schön in Krotomischel oder nicht?" sagte Frau Hermann herausfordernd, und dann lachten Leide hell aus, ein Lachen, das wie heilend über all die kleinen Stichwunden der vergangenen Stunden strich und die Herzen wärmte, daß sie sich einander öffneten und zutraulich wurden. „Krotomischel öder nicht", sagte Friede! fest. „Was geht uns schließlich all das an? Wir haben ein Zuhause und haben unsere Männer. Denken Sie, was das heißt, in heutiger Zeit!" Frau Hermann schwieg etwas ratlos. „Na ja, wenn wir dafür noch kranke Männer hätten", fuhr Friede! fort. „Aber Sie haben, wie Sie selbst erzählen, alle nichts gewußt von dem kleinen Herzfehler, den Ihr Mann auf einmal haben soll. Und mein Max", jetzt lachte sie lustig auf, „ist mir mit seinem Hinkefuß mindestens so lieb, als wenn er zwei gerade hätte. Man sieht ihm doch bei seiner Figur gleich an, wo er ihn sich geholt hat. Das sagen meine Schwestern auch immer. Das Eiserne kann er nicht ewig auf dem Rock tragen; dieses Ehrenzeichen hat er bis an sein Lebensende". „Donnerwetter!" sagte Frau Hermann leise vor sich hin. „Die Sorte Auffassung!" Friede! kam sich ein wenig blamiert vor. „Nun, ist es denn kein besonderes Glück, daß zwei so junge Frauen wie wir, ihre Männer bei sich haben?" Die andere zuckte die Achseln. „Was sollen sie schließlich mit den Kaffern im Felde! Die Krotomischler passen nur nach Krotomischel". An dem Tage war Friede! sehr böse auf Frau Hermann. Als sie freilich nach Hause kam und hörte, wie die andern über sie Herzogen, milderte sich ihre eigene Verletztheit. „Hast Du gesehen?" höhnte Eva, „Lackstiefeletten für alle Tage mit Absätzen wie die Stelzen, als wollte sie zum Tanze gehen. Und seidene, durchbrochene Strümpfe!"

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