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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 129

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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fühlte Wohl den stillen Vorwurf, der sie doch so unschuldig traf. 2. Kapitel. Frau MinnieHermann tatFriedel leid. Sie konnte und konnte sich nicht mit Krotomischel vertragen. Wenn sie einen Gang durch das verhaßte Städtchen machte, dann kam sie ganz elend nach Hause, so hatten die Schulkinder hinter ihr hergejohlt und die halbwüchsigen Burschen ihr höhnische und anzügliche Bemerkungen nachgeschrieen. Und wenn sie sich dann, mit Tränen in den Augen, bitter beklagte, dann sagte ihre Schwiegermutter, Frau Lea Hermann, jedesmal: „Das wird auch nicht eher anders,' als bis Du Dich kleidest, wie es für Krotomischel Paßt." Und dann antwortete die junge Frau gereizt, und all ihre zornige Scham zitterte in ihrer bitteren Antwort: „Das wäre das einzige, was noch zu meinem Glücke fehlte. Nun auch noch selber in Krotomischel verlästern". Ach, nein, Frau Minnie gab nichts auf vön ihrem „Schick", der ihr doch so teuer zu stehen kam. Und kam Frau Hermann einmal zu den Böhms, wurde sie außer von Friede!, auch nicht mit freundlicheren Augen betrachtet. Die beidenKonkurrentensamilien standen an sich schon auf etwas gespanntem Fuß mit einander, das machte das Wohlwollen gegen dieses neuste Familienmitglied der Hermanns nicht größer. „Daß sie nur noch wiederkommen mag",dachte Friede! oft. „Es ist wenigstens mal eine andere Stube", erklärte die junge Frau stöhnend dieses unbegreifliche Verlangen. Max verschwand jedesmal schleunigst bei ihrem Kommen mit einem Gesicht, das Peinliches Gestörtsein verriet, aus dem Zimmer. Der Schwiegervater las eingehend die Zeitung, mit einer Miene, als überprüfe er die Rätsel der Welt, so daß man sich beinah keck vorkam, im selben Raum mit so banalem Geplauder diese Weihe zu stören. Die Schwiegermutter und Eva taten spitze Fragen, hinter denen schon im voraus der Hohn über die Antworten lauerte. Wenn dann die junge Frau, wie gelähmt von all dem Nichtverstehen und Uebelwollen ringsum, länger sitzen

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