Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
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128 aber schließlich, es war das Haus ihres Schwiegervaters, in dom ihr das geschah. Sie war keine Angestellte, es konnte ihr nicht gekündigt werden. Für dieses Heimatsgefühl ertrug man sogar auch die zahlreichen und oft recht anhaltenden Verstimmungen der Schwiegermutter. Friede! sah ganz schulmädelhast verblüfft aus. „Ich weiß nicht. — ich denke, — ein blaues Kleid", sagte sie schüchtern. Der Vater nickte unendlich würdevoll. „Un was hat se gekauft?" Er ließ den Stoff Wohlgefällig wichtig durch feine Finger gleiten. „E grienest Kunsstick!, wenn einer e blaues will, in ich Hab e blaues-, heißt sich ne Chochme! Wenn er blau will, un er geht mit grien Widder heraus, bin ich e Kaufmann!", Friedel hatte das Gefühl, als» gäbe es neuere, menschenfreundlichere Geschäftsprinzipien. Sie wollte gerade von den großen Kaufhäusern ihrer Heimat erzählen, da verstummte sie vor dem wahrhaft andächtigen Gesichtsausdruck, mit dem die Mutter und Eva, Max" ältere Schwester, diesen sicher oft wiederholten Lehren; lauschten. Sie waren alle aus der Wohnung in den Laden gekommen. Der Ausgang des eben vollzogenen Geschäftes mußte doch besprochen werdest. Friedel sah beinahe verblüfft zu Max hin. Er stand über die Ladenkasse gebeugt Aber auch in ihm schien sich nichts gegen diese altmodischen Weisheiten zu wehren. „Meinste, mein Tochter, daß de das wirst kennen?" „Ach ja", sagte Friedel, aus dem demütigen Instinkt heraus, sich einzufügen. Der Alte nickte bedächtig. „Der Mensch kann viel, wenn er will". „Verstand gehört auch dazu", sagte Schwägerin Eva. Und gegen ihren überlegen trockenen Ton rebellierte etwas in Friedel. Aber schließlich war ja auch mit ihr auszukommen. Friedel wußte ja, daß. sie sich am schwersten damit abgefunden hatte, daß der abgöttisch geliebte Bruder ein armes Mädchen hatte heiraten wollen. Aber wenn der Vater ja gesagt hatte, gab es kein Nein mehr im Hause. Immerhin, es war hart gewesen-' Sie hatte ja auch keiner ohne Geld genommen. Und später, als eine kleine Mitgift für sie bereit gelegen hatte, war auch keiner gekommen. Friede!