Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
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ip Gediegenheit umkleidet gewesen, noch ehe sie viel von ihm gewußt hatten. Seine Bescheidenheit hätte sich sicher gegen diese vierfach übertriebene Bewertung seiner schlichten . -1" Person gewehrt, wenn er sie bemerkt hätte. So aber genoß er arglos die Freundlichkeit und die gute Bewirtung, . t; die man ihm bot, und fand, daß seine Schwägerinnen „brave Mädchen" seien. Im Übrigen hatte er seine Friede! lieb und war heilfroh, daß er sie hatte. Leicht war es ihm nicht gewesen zu Hause, bei Gott nicht. - Und hätte er nicht damals mit seinem zerschossenen Bein verwundet gelegen, hätte der Vater wohl nie, — na, nun hatte er sie ja. i > „Hast Du mich noch lieb?" Ihr Mann ging gerade jj mit der „Geschäftsmiene", — so nannte sie den finstern X Ernst, der sich den Böhms bei allem, was sie taten, auf i das Gesicht legte, — an ihr vorüber. „Ja", knurrte er, und sein Gesicht blieb durchaus verdrießlich. „Du M sollst mich so'n Unsinn nicht ftagen, wenn ich zu tun habe. Ich habe Dir das schon ein paarmal gesagt", z Der Verweis schien sie gar nicht zu treffen Sie vertrat ihm lachend den Weg. „So lieb wie früher?" „Ja, ja, noch lieber", antwortete er ungeduldig und versuchte vergeblich, an ihr vorbeizukommen. „Wieso jetzt noch; lieber?" Er seufzte ergeben auf. Dann lachte er auch, wohl über ihre Zähigkeit, bei der er immer den Kürzeren '■ zog. „Na, erstens bist Du jetzt, meine Frau, und f: dann . . —" „Nun und dann?" Jetzt war sie es, die ' ganz ernst blickte. „Und dann" — er sprach es mit einem Seufzer der Befreiung, — „gefällst Du meinen Leuten". K „Friedchen, komm mal her!" Das war vom Laden hergekommen. „Ja", rief sie und sprang ihrer Antwort nach. Sie stand jetzt neben dem Schwiegervater, der den . einzigen Ballen Stoff, der den Ladentisch schmückte, bedächtig zusammenrollte. „Haste die Goite gesehen, die;? da eben ausen Laden ging?" Friede! nickte. Da die -^ Kundschaft des heutigen Morgens aus besagter Kundin XU bestand, wäre es schwer gewesen, sie zu übersehen. .„Was X? hat se gewollt, wie se kam?" O weh, ein Examen! Ach ja, Friede! wurde eifrig belehrt und reichlich ermahnt, (1A