Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
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Hertha hatte „sogar" zugenommen. Unglaublich wenig. Dafür nahmen die Ersparnisse von Jahren rapide ab in dem teuren Sanatorium, in das sie sich " nun glücklich hmeingearbeitet hatte mit ihrem zähen, ehrgeizigen Fleiß. Und nun war ihre ständige aufregende Sorge, ob sie auch wieder zu Kräften kommen würde, damit sie ihren aufreibenden Posten in der Diskonto-Bank, den vor ihr noch nie ein Weib inne gehabt, der nur nach wie vor nach weiblichen Sätzen honoriert wurde, auch wieder würde ausfüllen können. Ach nein, Max hatte schon recht, Magen standen nie in den Briefen. Sie schrieben noch so besorgt, Ae guten Seelen. „Ziehst Du Dich auch warm an, Kleines? Du weißt doch, wie leicht Du Dich erkältest. Und bekommst Du auch alles dort? Sonst besorgen wir es Dir gern hier. Von nächstem Monat an habe ich doch viel Zeit". Freilich hatte Jenni dann viel Zeit. Sie mußte ja aus ihrer Stelle, in der sie acht Jahre lang dem Hause die Hausfrau und Mutter .ersetzt hatte. Nun war ihr Zögling herangewachsen und brauchte keine Mutter mehr. Ella. Ae jüngste vor Friede!, berichtete von den Stadtneuigkeiten. „Übrigens, vr. Berg ist nun auch plötzlich eingezogen worden. Die Eltern sollen ganz außer sich sein". Und wer ist noch ganz außer sich? dachte Friede! bei sich. Ach, sie kannten sich ja so genau unter einander, die Schwestern. Der kleinen Ella hatte so etwas wie eine holde Überrumplung durch die Außergewöhnlichkeit der Verhältnisse, Kriegstrauung oder dergleichen, vorgeschwebt. Aber er war ganz kühl bei Besinnung geblieben, der kluge Herr Doktor, der ihr so keck den Hof gemacht hatte. Das einzige, wozu ihn seine Leidenschaft hingerissen hatte, war die gewiß nicht ganz vernunftlose Erwägung gewesen: „Die Ella Hausdorff ist wirklich ein nettes Mädel. Wenn die Hunderttausend hätte,' nähme ich sie auf der Stelle". Ach ja, ehrlich chatte es nur der Max gemeint von all den vielen, die eine oder die andere von den hübschen Schwestern verehrt hatten. Und deshalb war er auch gleich für sie alle mit allen edlen Tugenden echter Männlichkeit und ernster