Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111108-3117450--5826-3117601- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dichterruhm. Von Anna Goldschmidt. 1. Kapitel. f rau Minnie Hermann mochte sagen, was sie wollte^ es war wohl hübsch in Krotomischel. Na ja, na ja, wenn man freilich aus einem Hause kam wie Frau Minnie, in dem es nur Wohlleben und Vergnügen und die anregendste Gesellschaft gegeben hatte, auch jetzt sogar im Kriege, wo ihr Vater noch extra viel verdiente, — ja, du lieber Gott, eine Weltstadt war ja Krotomischel wirklich nicht. Und noch schöner wäre es natürlich gewesen, wenn man mit seinem Max allein verheiratet, — ja, so und nicht anders drückte sich Friede! Böhm in ihren Gedanken aus, — „alleine verheiratet" gewesen wäre. Aber immerhin, man wußte, wo man hingehörte, man hatte ein Zuhause, man war eine — verheiratete Frau. Konnte sie dafür, daß es ihr jedesmal direkt ein wenig schmeichelte, wenn sie aus ihren Briefen ihre Adresse „Frau Frieda Böhm" las? Sie war die Jüngste von vier Schwestern und die einzige Verheiratete. Sie wußte das Glück zu schätzen, und die Schwestern halfen ihr redlich dabei. „Arme Mädchen wie wir, müssen ja schon zufrieden sein, wenn eine von vieren glücklich verheiratet ist." So tröstete Jenni, die Alteste, sich und sie darüber, daß der, der sie nun fünf Jahre hingehalten, dem sie ihre Jugend und Blüte geopfert hatte, sie jetzt sitzen ließ und die wohlhabende Tochter seines Chefs heiratete. Max sagte immer: „Wenn du einen Brief von Hause bekommen hast, dann siehst du ganz blaß aus". Dann war er immer ordentlich böse auf die Schwägerinnen und las ihre Briefe mißtrauisch durch. Und dann sagte er: „Aber was willst du denn bloß? Es ist doch alles wunderschön? Hertha hat sogar zugenommen". Ach ja,.