Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Wille in der jüdischen Geschichte
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111108-3117447--5797-3117575- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
99 mnd es war des Rufes gewärtig, als eine neue and bessere Zeit die engen Pforten wieder öffnete. Die Welt Mutzte deshalb doch, was sie an ihm besaß. Selbst in den traurigen Zeiten der Abgeschlossenheit errang sich -das Judentum die Anerkennung der Besten. Zu der Zeit da die Mischna abgeschlossen wurde,, regierte der Kaiser Alexander Severus das römische Reich (222—235). „Er feiert von allen Religionen die Stifter als Ideale der Menschheit und stellt ihre Bilder in seiner Hyuskapelle zusammen, wo nun Abraham und Christus Platz fanden neben Orpheus als vorgeblichem Gründer der hellenischen Mysterien! Der edle unglückliche Fürst sucht sich aus -dem besten, was er kennt, einen neuen Olymp zusammen". (Burckhardt, Die Zeit Constantin's des Großen,!, S.207). Also auch auf dem Kaiserthrone und in jenen Zeiten findet Abraham Verehrung und Bewunderung. IV. Diese tätige Gestaltung des Schicksals erkennen wir selbst in jenem trüben Kapitel wieder, das die Überschrift „Leiden" trägt. Hier erscheint auf den ersten Blick nur die Unfreiwilligkeit, die dulden muß, was sie nicht ändern kann. Der Jude scheint nur der Ambos zu sein, auf den der Hammer mit grausamen Streichen niederfährt. Wir vermissen den fröhlichen Übermut, der sich als den Herrn der Welt .fühlt und - durchsetzt. Hier zeigt sich auch die dauernde Ohnmacht. Als einer unserer politischen Schriftsteller, Paul Rohrbach, vor einigen Jahren den Gedanken vertrat, Deutschland müsse nicht mit seiner Macht, sondern mit seiner Kultur die Welt durchdringen, da wurde ihm die höhnische Antwort, er denke Deutschland etwa die Rolle zu, die das Judentum in der Welt spiele. Man hat also von dieser Stellung nur eine sehr geringe Meinung. Auch darüber werden wir nach den Erfahrungen des Krieges anders urteilen. Er hat uns gezeigt, Jäte beschränkt die Macht ist, wie bald sie an die Schranken stößt, die ihr von der Natur und von den Menschen gesetzt werden. Auch die mächtigen Völker 7*