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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 98

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Wille in der jüdischen Geschichte
Date
1918-01-01
Page
Seite 98 (sequence 15)
Language
German
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— 98 Gedanken an das eigene Ich abgelenkt und hat ihnen einen neuen Schwerpunkt gegeben, der im Heil der Gesamtheit ruht. Im Dienste seiner Idee durste das Judentum zu bestimmten Zeiten vor dem Rückzug in die vier „Ellen der Halacha", vor einem gewissen Abschluß von der Welt nicht zurückschrecken. So kamen trübe, glanzlose Zeiten. Jn^ der Mischna und im Talmud überraschen uns die strengen Maßregeln zur Absperrung des Judentums von seinen Nachbarn. Unser Einfluß auf die Kultur der Menschheit ist dadurch in manchen Epochen verringert worden, wir haben uns dann selber eine Zeit lang der segensreichen Einwirkungen der großen Welt beraubt und auf den unaufhörlichen Strom des Gebens und Nehmens verzichtet. Wix müssen aber auf den Gang der Zeiten überall, nicht nur in der kleinen jüdischen Welt, achten. Dann segnen wir auch jene auf den ersten Anblick so trüben Zeiten.des äußeren und inneren Ghettos. Alls die Meister des Talmud ihr Volk abzuschließen suchten, brach über die Religionen gerade eine schwere Krankheit herein. Sie entarteten und wurden charakterlos. Die Götter aller wurden zu allen gebracht. Der Römer betete zur ägyptischen Isis, und seine Legionäre warfen sich vor dem Mithras nieder, dem persischen Gott, dessen Bilder heute noch in Deutschland gefunden werden. Es waren die Jahrhunderte der Religionsmischung, in deren Verlauf alle anderen alten Religionen ihre Kraft verloren und zum Gespött wurden. 'Dieses Schicksal hätte auch dem Judentum gedroht. Wäre es ihm erlegen, dann gäbe es keine Juden mehr. Wo aber alle Grenzen ineinander flössen und jede feste Gestalt sich auflöste, gab es nur eine Möglichkeit, charaktervoll die eigene Art zu bewahren: den Abschluß, die Absonderung, immer in der Hoffnung auf bessere Zeiten und aus die Tage des Messias. Der tatsächliche Ausdruck dieses Kampfes um die Erhaltung des besseren Selbst ist dann.die enge kleine Welt der Judengasse. Aber diese ist nur ein einzelner Raum in dem großen Gebäude, an dem unsere Geschichte gebaut hat. Dort hat -as Judentum seine Bereitschaft bewahrt,

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