Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Wille in der jüdischen Geschichte
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 14)
- Language
- German
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große Ziel aufgerichtet, ohne das das Judentum zu Grunde gehen müßte. Jede Gemeinschaft ist gefährdet, weil die Forderungen, die sie notwendig erheben muß, mit dem Vorteil des Einzelnen im Kampfe liegen. Im Kriege verlangt sie das Leben, an dem der Bürger mit Leidenschaft hängt. Sie fordert von ihm Steuern und, wenn es sein muß, sein ganzes Vermögen, gegen besten Hergahe er sich mit seiner natürlichen Selbstsucht sträubt. Rücksichtslos sucht jeder das eigene Glück, und sollten darüber auch alle anderen zu Grunde gehen. Wie der Bändiger eines wilden Tieres wird deshalb der Staat betrachtet. Thomas Hobbes nennt ihn darum den Leviathan, und' ein Lehrer der Mischna betet für ihn: „denn wenn er nicht wäre, würde einer den andern lebendig verschlingen". Aber seit Jahrtausenden schon kann das Judentum seine Bekenner nicht mehr mit Gewalt zwingen, sich zu beschränken, hinzugeben und zu opfern. Wie vermag es diesen Widerstreit zwischen dem Ganzen und seinen Gliedern zu überdauern? Hier hat die Religion an die Stelle der fehlenden äußeren Macht ein Ideal gesetzt, das sie in die Seelen eingesenkt hat, den hohen Gedanken von der „Heiligung des göttlichen Namens". Dies stellt die Bibel dem Menschen als die höchste Aufgabe hin: „Heilig sollt Ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige, Euer Gott", und Gott will „inmitten der Kinder Israel geheiligt werden". Eine Heiligung des göttlichen Namens ist jede Handlung und jedes Leben, das der Gemeinschaft Ehre macht. Wer sie aber bloßstellt und ihr Schande bereitet, begeht umgekehrt die schwerste Sünde, er „entweiht den göttlichen Namen". Dieses Ideal hat das Judentum seinen Söhnen und Töchtern ins Herz gepflanzt, sodaß es dort in den Besten zur unbewußten Stimmung und selbstverständlichen Empfindung geworden ist. Wie oft sprechen unsere Soldaten diesen Gedanken aus! Wie viele tun mehr, als von ihnen verlangt wird, und leisten Uebermenschliches, weil sie im Felde nicht nur ihre eigene Ehre, sondern auch die deK Judentums vür ihren Kameraden vertreten! Ohne die Mittel des äußersten Zwanges hat das Judentum seine treuesten Kinder von. dem natürlichen