Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Wille in der jüdischen Geschichte
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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diesem Element unserer Religion mit Achtung und Verständnis gegenüber. Wenn sie sie nicht beobachten, suchen sie den Grund draußen, in den'Schwierigkeiten des Lebens, in der Macht der Verhältnisse. Die jüdische Offenbarung von Gott aber, vom Menschen und von seiner Aufgabe betrachten sie alle ohne Ausnahme nicht nur als ein ehrwürdiges Erbe aus der Vergangenheit, sondern als ein Ideal für die Zukunft der Menschheit und als die höchste Schöpfung der Religion. Denkbar, möglich wäre auch eine andere Entwicklung gewesen. Hätte das Judentum nicht jung bleiben wollen, dann hätte es auch zu einer Versteinerung verkalken können- Dann wären seine Schöpfungen nur noch Reste, Ueberbleibsel, Bräuche, interessant für den Kulturhistoriker, den Ethnographen, den Folkloristen. Aber die lebendige Quelle der Andacht, der Anstoß zur Erhebung zu Gott * unt> die tiefste Befriedigung der Seele wären sie schon lange nicht Mehr. Im günstigsten Falle führte uns nochdie pietätvolle Erinnerung zu-ihnen, nie aber die lebendige- Sehnsucht des Herzens. Und dann wäre das Judentum tot. Keinerlei äußeres Interesse, kein nationales Band, keine Kunst der Organisation könnte dieses Schicksal wenden. Umgekehrt aber dürfen wir im Hinblick auff die Gegenwart und auf eine Vergangenheit von Jahrtausenden mit der Zu'versicht des Propheten darauf bauen, daß die Ideen und Schöpfungen unserer Religion auch in Zukunft allen Zeiten gewachsen bleiben Wenn nur die Juden selber nicht versagen, wenn jener Geburtenrückgang, dessen wir gedachten und den wir an ihnen in Deutschland beobachten, sich nicht auf die übrige Welt ausdehnt und in Deutschland selber verschwindet. Unidas Judentum selber dürfen wir unbekümmert sein. Der Mangel an äußerer Organisation vermochte und vermag es nicht zu vernichten. "Denn in ihm lebt der Geist, der aller Gliederung erst ihre Wirkung verleiht, als Wille und als dauernde Gesinnung. Es „will nicht sterben, sondern leben und Gottes Werk verkünden". Diese Erkenntnis, die aus der Religion stammt, hat' sich mit dem Willen verbündet. Sie hat für ihn das--