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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 94

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Wille in der jüdischen Geschichte
Date
1918-01-01
Page
Seite 94 (sequence 11)
Language
German
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94 Talmud über alle Länder ein Sieg des Judentums über -die Mißgunst der Zeiten, und er selber ein wichtiges Werkzeug für die Erhaltung des Judentums und seiner -Einheit. Wo immer in der Welt auch Juden wohnen, sie finden überall den gleichen Gottesdienst, die gleiche Feier des'Sabbats und der Feiertage, die gleiche, das ganze Leben durchdringende Religion. Die Wanderungen des Talmud und seine allmähliche Anerkennung bei den -Glaubensgenossen der ganzen Erde liegen stellenweise klar vor unseren Augen. In Babylon ist er entstanden, aber' Juden aller Länder holten sich bei den dortigen Hochschulen Rat, wenn in ihrem religiösen Leben Zweifelsfragen auftauchten. Sendboten verbreiteten seine Kenntnis überall, wo Juden wohnten. Einsichtige Fürsten Pflanzten den Baum, des jüdischen Gesamtgeistes. Eine alte Ueberlieferung behauptet, Karl der Große habe für die Juden seiner Staaten einen Rabbiner aus den fernen babylolonischen Landen berufen. Das gemeinsame geistige Band war geknüpft. Der Jude, der irgendwo in der weiten Welt reiste, fand-sich üb exall in seiner Welt. Auf allen seinen Wanderungen verließ er im Grunde niemals seine -Heimat, und deshalb ging er auch nicht verloren. Ein Geist herrschte bei den Juden aller Länder. Damit war ein großes Ziel wunderbar erreicht. Sonst gehen die Atome, die sich von einer Gruppe lösen, die Auswanderer, die zerstreuten Minderheiten, verloren. Welche Sorge bereitet deutschen Patrioten die nationale Zukunft der Ausländsdeutschen, die Aufgabe, diese Kinder des Vaterlandes in allen Zonen zusammenzuhalten, damit sie nicht zerstieben und spurlos unter Engländern und Amerikanern verschwinden! 'Das Judentum aber hat die große Aufgabe glücklich , gelöst. Durch die sorgfältige Pflege seines Geistes hat es sich die Einheit der zersprengten Glieder gewahrt, ohne sich in Sekten aufzulösan. Damit hat es noch eine andere Gefahr glücklich beschworen. Sein Kern ist eine Idee, seine Religion, und diese könnte altern, wie alles andere auch. Nichts aber hätte uns vom Untergang retten können, wenn sie verdorrt wäre. Ist doch auch die einst so glänzende griechische

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