Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Wille in der jüdischen Geschichte
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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-am oberen Nil. Heute geben uns von jenen innerlich -großartigen Zeiten die deutschen Zwerggemeinden eine Ahnung, die dennoch ehrwürdig sind, die das Doppelte, das Dreifache der Staatssteuer und mehr noch aufbringen, um ihr jüdisches Gotteshaus zu erhalten und ihre Kinder zu Juden zu erziehen. Unter diesem Drucke haben die Pioniere des Judentums gelebt, die in Ländern, wo noch nie Vorher Juden gewohnt hatten, in der alten und spater auch in der neuen Welt, zum ersten Male die Zme Jakobs aufschlugen. Diese Anfänge sind verschüttet, aber der Fortgang verkündet ihren Ruhm. Das hohe Gebäude des späteren Judentums spricht für die -namenlosen, unbekannten Männer und Frauen, die, wer weiß, wann und wie, den Grundstein gelegt haben. III. Da jede äußere Macht und Organisation fehlte, hat sich das Judentum für den Zusammenhalt seiner Glieder -schon früh eine geistige Grundlage geschaffen. Das-ist wohl überall der Fall. Geistige Mächte, die Sprache, die Religion, das gesamte Schrifttum,- die Dichtung einigen ein Volk und geben ihm seinen Zusammenhang. Aber im Judentum kommt ihnen doch eine ganz überragende Bedeutung zu. Hermann Eohen hat einmal den deutschen Patriotismus Fichte's mit Worten gekennzeichnet, "die vielleicht nur ein Jude finden und nur ein Jude in ihrer vollen Schönheit begreifen kann. Er spricht von „seinem Herzen für das deutsche VaterlSid, das er in dessen Geisteswelt als eine Wirklichkeit besaß, und an Lessen Verfall er deshalb nicht zu glauben vermochte". . Als Fichte wirkte, gab es noch kein deutsches Vaterland, oder es gab keines mehr, sondern nur eine Reihe von deutschen Staaten, im Ganzen wenig mächtig, viele davon im Lager des Rheinbundes. Deutschland war damals mehr ein geographischer, als ein staatlicher Begriff. Aber was bestand, das war die deutscheGeisteswelt, die Sprache, die Dichtung, die Kunst und die Wissenschaft. Und in Liesen geistigen Mächten hatte er sein Vaterland als eine