Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Wille in der jüdischen Geschichte
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 8)
- Language
- German
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.91 Judentums sogar mit besonderer Klarheit hervor, Weib hier der Blick nicht durch die Vorrichtungen und Mittel der Macht geblendet und abgelenkt wird. Unsere jüdische Vergangenheit ist uns nur in Bruchtücken bekannt- Gerade von ihren stillsten und dennoch^ tolzesten Abschnitten werden wir nur in seltenen Glücksällen etwas erfahren. Wir wissen von ihr ja nur so weit, als sie uns durch schriftliche Denkmäler überliefert ist. Was nicht in unserem Schrifttum, in vereinzelten Urkunden, in den Judengesetzen der Staaten, ja sObst in der judenfeindlichen Literatur niedergelegt ist, liegt für uns in tiefem Dunkel. In jeder anderen Geschichte fließen die Quellen reichlicher. Wenn auch alle geschriebenen und gedruckten Urkunden der deutschen Vergangenheit vernichtet wären, würden uns doch die keltischen Ortsnamen, Andernach, Remagen, Lechenich und tausend andere von dem Volke erzählen, das vor den Germanen auf dem deutschen Boden wohnte. Die Reste römischer Lager und Tempel, die Mithrasbilder und der Limes würden auch dann noch von den Jahrhunderten Zeugnis ablegen, wo die Legionen am Rhein hausten. - In der jüdischen Geschichte aber fehlen diese Denkmäler. Was uns unbekannt ist, lebte aber doch und wirkt weiter bis in unsere Gegenwart und in die Zukunft hinein. Und wir bewundern vor allem diese vergessenen Zeiten, in denen sich zerstreut und vereinzelt in der ganzen Welt jüdische Gemeinden bildeten. Vielleicht waren die Anfänge, so gering sie erscheinen mögen, doch innerlich größer,, als der spOtere glänzende Fortgang. Wir wissen von den Anfängen des Judentums in Deutschland blutwenig. Erst zur Zeit Karls des Großen tritt es aus der bisherigen Dämmerung heraus. Aber welche innere Kraft muß in jenen verschollenen Mederlassungen gesteckt haben, daß sie sich erhalten konnten, daß sie ihre Angehörigen miteinander verbanden und -ihre Religion bewahrten £ Vor ein paar Jahren hat sich der Boden Aegyptens geöffnet und uns die Papyri wiedergegeben, die so lange in ihm verschüttet lagen. Da hat er uns eine solche kleine Gemeinde wiedergeschenkt, die Kolonie zu Elefantine,'