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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 90

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Wille in der jüdischen Geschichte
Date
1918-01-01
Page
Seite 90 (sequence 7)
Language
German
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— 90 — gut anschlagenden Mittels wäre, zwar nicht die Juden, wohl aber das Judentum totzuschlagen, und erbot mich, ihm noch desselben Tages einen Plan zu dem allerhöchst verlangten Gesetz zuzustellen". Er stand mit dieser Absicht nicht allein. Auch die Motive zum bayrischen Judenedikt von 1813 erklären, „es müsse der jüdische Korporationsgeist zerstört werden". Es werden denn auch alle Maßregeln getroffen, „damit nicht die alten Verbände unter neuem Titel wieder auferstehen und die Verwaltung für allgemeine und einzelne Judenangelegenheiteq Beiträge eintreiben könne". Darum wurde den jüdischen Gemeinden das Besteuerungsrecht genommen. Sie haben es aber in einer langen und kampsreichen Entwicklung wieder zurückgewonnen. Unter solchen Umständen wäre der Untergang des Judentums nur zu begreiflich gewesen. Sein Bestand trotz dieser Hemmnisse ist wahrlich ein stolzer Triumph. So entbehrt also das Judentum nach der Fügung der Geschichte der Zusammenfassung seiner Glieder. Hier ist alles ganz anders, als im natürlichen Verlauf der Dinge, und beinahe trägt man Bedenken, unter diesen Umständen von einer jüdischen Geschichte überhaupt zu reden. Wir erkennen alle diese Eigentümlichkeiten an. Sie berühren nicht nur Aeußerlichkeiten, sondern sie treffen auch das innere Wesen der Dinge, aber nicht den letzten Kern. Denn das Herz der Geschichte und die Seele der Gemeinschaft ist ihr Wille, zu leben, und ihr Entschluß, sich zu behaupten. Auch für Völker, für Stämme und für Religionen gilt schließlich die große Forderung, die nach Ranke's prachtvoller Schilderung Friedrich der Große erfüllt hat. „Ich will nicht berühren", so rühmt ihn der große Historiker, „welche Hilfsquellen ihm in einer so verzweifelten Lage sein militärisches Genie, die Tapferkeit seiner Truppen, die Treue seiner Untertanen oder zufällige Umstände dargeboten haben. Die Hauptsache ist, daß er sich moralisch aufrecht erhielt". So hat sich auch das Judentum lebendig erhalten. Ohne Werkzeuge, ohne Vertreter, ohne äußere Macht, ja, im Gewände der Ohnmacht hat es sich trotzdem durchgesetzt. Ja, der Sieg des Geistes tritt in der Geschichte des

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