Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Wille in der jüdischen Geschichte
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Lichen Unterrichts. Er zeigt uns die Fundamente und. Len Bau der Staaten, sodaß auch die Stillen im Lande 'die Dinge mit dem Auge des staatserfahrenen Mannes betrachten. Wir schauen die mächtigen Kräfte, die sich in den Völkern regen, und die gewaltigen Hemmungen, die sich ihnen in den Weg stellen. Sie kämpsm mit den Waffen, mit dem Verstand, mit Brot, mit Gold, mit Kabeln und Telegraphen. Sie werden gefördert oder gehemmt durch Meere oder Gebirge, durch Wind und 'Wetter, durch die eigene Einigkeit oder Uneinigkeit, durch die gute oder schlechte Meinung der Unbeteiligten und durch tausend andere Dinge, an.die wir vor dem Kriege nicht gedacht hatten. In ihrem schweren Ringen nehmen ffie ungeheure Lasten auf sich. Leben und Gesundheit, Hab und Gut haben ihren Wert verloren. Alte, ehrwürdige GrundsGe werden mitleidslos weggeworfen, wenn sie der Forderung der Stunde widerstreiten. -Rußland verjagt seinen Zaren, England führt die allgemeine Wehrpflicht ein, Frankreich hat .wichtige Grundsätze der kirchenfeindlichen Gesetzgebung aüfgegeben, auf die -es so stolz war. Wir selber verspüren in unserem staatlichen Leben einen neuen Zug, die Wendung zu einer neuen Entwicklung. Und dieses ganze Leben steht im Dienste des Krieges. Nur weniges wird von selber. Die drängende Macht der Geschichte aber ist der gewaltige Lebenswille der Nationen.. Darum wird die Zukunft die Geschichte aller Zeiten /wohl anders schreiben, als die Vergangenheit. Die künftigen Historiker haben in den Schlachten des Weltkrieges die Urkräfte des menschlichen Dramas mit eigenen Augen -gesehen und den Weg Gottes schauen dürfen. Und deshalb wird in Zukunft auch die jüdische Geschichte wohl -anders, als bisher dargestellt werden. Wir betrachten sie mit anderen Augen. Die Einzelheiten dieser Geschichte sind den weiteren -Kreisen wenig bekannt geworden, und die hingebende /Arbeit unserer Forscher hätte hier eine größere Ernte -verdient. Dafür herrscht aber allenthalben ein Gesamt-