Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Wille in der jüdischen Geschichte
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Wille in der jüdischen Geschichte^. Von Rabbiner vr. Max Eschelbacher-Düsseldorf. I. . ’■ ®ie Wissenschaft, die sich im Leben nicht bewähren darf, ist ein Baum mit vielen Zweigen und wenigem Wurzeln. Jeder Windstoß reißt ihn um. In diesem, -Bilde zeichnet der Talmud die lebensferne Gelehrsamkeit. Zu einer solchen kann auch die Kenntnis der Geschichtebei Menschen entarten, die dem Leben des Staates fernstehen. So haben wir uns alle viel mit Geschichte beschäftigt,, aber vor dem Kriege haben wir sie nicht richtig verstanden. Nur der Staatsmann hat die wahre Einsicht in ihre Gesetze und Erscheinungen. Nur er begreift in ihrer vollem Gewalt die Wahrheit, daß die Geschichte der Völker einemächtige, gewaltige Schöpfung ist, das Werk eines beharrlichen, unermüdlichen Willens, der durch Geschlechter hindurch immer in gleicher Stärke wirkt. Die anderen, dm unpolitischen Menschen, sehey an der Historie vorzugsweise die andere Seite. Sie betrachten sie als ein stilles- Wachstum und als eine selbstverständliche Entwicklung. Ganze Geschlechter hindurch wird dann der friedliche- Bürger von dem verhängnisvollen Irrtum beherrscht,, alles sei so gekommen, wie es kommen mußte, und ein anderer Lauf der Dinge sei gar nicht denkbar. Vom dieser freundlichen Täuschung lassen sich die Völker willig einschläfern. Sie glauben dann am Ende, der Einzelne und das Ganze seien der Pflicht zur höchsten Anspannung aller Kräfte enthoben, "weil sich ja doch alles von selber mache und ohne viel menschliches Zutun. Aber der Krieg sticht uns den Star und bewährt, sich als der große Lehrer, als der Meister des geschieht--