Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 27)
- Language
- German
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82 ein solches konstruieren. Hinsichtlich der dritten Frage, ob nämlich Kriegsverordnungen wie denen von 4. Mose 31,17; und 5. Mose 20,12 f.; ein unauslöschlicher Wert beizumefsen sei, genügt der Hinweis auf Elisa, der vom israelitischen König fordert, die irrtümlich nachSamaria gelangten eindlichen Krieger nicht allein unversehrt zu lassen, andern sogar gastfreundlich zu bewirten und friedlich jeimziehen zu lassen, — ferner auf Amos, der nicht allein Israel, sondern auch anderen Völkern wegen schonungsloser Behandlung des Feindes harte Strafen androht <2. Könige 6,15; Amos 1,3—2,4). Nach 2. Könige 3, 27 zürnt Gott Israel wegen der Bedrängung der Moabiter, die jenen feindlichen König zu einer Verzweiflungstat trieb. Ebenso beachtenswert ist es, daß Israels Feinde sprechen: „Wir haben gehört, daß die israelitischen Könige barmherzige Könige sind" (1. Könige 20, 31). Alle diese und viele ähnliche Momente illustrieren uns die kriegspolitischen Verhältnisse im alteü Israel und lassen uns die völkermoralische Gesinnung der Propheten und Edlen der biblischen Zeit deutlich erkennen. Aus demselben Geiste floß auch die Anschauung des Propheten, der David den Lempelbau untersagte, weil er viele Kriege geführt hatte (1. Chron. 22, 8). Jy Berücksichtigung solcher Momente, deren Zahl sich noch vermehren ließe, wird man weder die wenigen Härten, die die biblische Kriegsgeschichte verzeichnet, aus Rechnung der biblischen Anschauung über Völkermoral setzen, noch wird man sich dazu entschließen, in den vereinzelten Kriegsvorschriften eine unumstößliche Norm zu sehen. So sehr auch diese Kriegsparagraphen die politische Moral der alten Völker weit überragen (vergl. z. B. 5. Mose 21, 10 f.), so wollen sie doch nicht als Maßstab für ein unentwegtes Völkerrecht gelten. Die Frage, warum die Bibel nicht auch für das kriegspolitische Verhalten der Völker zueinander ein Gesetz formuliert hat. das den Forderungen, die wir an ein modernes Völkerrecht stellen, entsprechen könnte, wird man wohl angesichts dieses Weltkrieges, der die Ideologie und die Haltlosigkeit aller Völkerrechte vor Allerwelt dargetan hat, nicht mehr stellen. Wer es bis jetzt nicht