Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 81

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
Date
1918-01-01
Page
Seite 81 (sequence 26)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111108-3117446--5778-3117557
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

als erfüllt angesehen werden. Was die Bibel der Kulturmenschheit gegeben hat, gehört zu den heiligsten und kostbarsten Schätzen derselben und wirkt unaufhörlich läuternd und reinigend, fittigend und veredelnd auf dieselbe. Ethischer Monotheismus, Universalismus, Gleichwertigkeit des Menschengeschlechts durch seinen gemeinsamen Ursprung, inviduelle Seelenschätzung, moralisches Verantwortungsbewußtsein, Moral des Schwachen, Verschmelzung von Religion und Moral, — diese und ähnliche elementare Gedanken der biblischen Religionsanschauung sind die Basis, auf der sich das gesamte moderne Kulturgebäude erhebt. Die humanitäre Entwickelung der Menschheit schreitet immer vorwärts, und trotz aller Hindernisse und Störungen streben die Menschen .dem Ziele zu, das die Propheten Israels ihnen gesteckt haben. Das bisher Gesagte gilt jedoch nur von der privaten, inviduellen Moral, die das‘ Leben der Einzelnen und ihr Verhalten zueinander regelt. Kann dieses aber auch vom Völkerrecht und der politischen Moral überhaupt gemeldet werden? Entspricht die Handlungsweise der Völker in diesem Kriege den Erwartungen, die man an die Jahrtausende lange biblische Erziehung knüpfen zu müssen glaubte? Was war da auch indem politischen Gebühren der vorangegangenen Friedenspolitik von Humanität und echter Kultur zu verspüren? Muß da nicht über eine Erfolglosigkeit der biblischen völkerrechtlichen Erziehung geklagt werden? Auf diese Frage muß mit einer Gegenfrage erwidert werden: Gibt es überhaupt ein biblisches Völkerrecht oder reichen die vereinzelten Kriegsbestimmungen hin, um als Unterlage für ein Völkerrecht zu dienen? Ferner muß gefragt werden, ob denn die wenigen Kriegsverordnungen der Bibel auf eine dauernde und unzerstörbare Geltung Anspruch machen, und nicht vielmehr nur den politischen Verhältnissen jener Zeit Rechnung tragen? Die ersten beiden Fragen müssen entschieden verneint werden. Weder gibt es ein biblisches Völkerrecht, noch läßt sich auf Grund der vorhandenen Kriegsmaßnahmen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.